Mit Der Tod ist ein Meister aus Wien – Leben und Taten des Amon Leopold Göth ist dem Wiener Publizisten, Historiker und Germanisten Johannes Sachslehner ein erschreckendes Portrait eines eingefleischten Nazis gelungen, der nicht nur als der KZ-Kommandant aus Schindlers Liste Bekanntheit erlangte, sondern – leider – auch als ein Beispiel geführt wird, dass so schlimm ja bei weiten nicht alle gewesen wären.
Johannes Sachslehner - Der Tod ist ein Meister aus Wien

Auf knapp 400 Seiten entwickelt der Autor eine detailreiche Biografie eines kaltblütigen Massenmörders, eingebettet in ein Gewebe aus den fetzenhaften Schicksalen seiner Opfer.
Dabei ist bemerkenswert, dass Jugend und frühe Jahre des Sohnes aus einer streng-katholischen Wiener Verleger-Familie nach bloss 40 Seiten am 5. März 1940 und beim Aufbruch Göths ins Ost-Reich Himmlers angelangt sind: von hier ab reihen sich auf 320 Seiten die maßlosen Mordtaten Göths wie Sandkörner dicht auf dicht aneinander.

Für den Leiter des Arbeitseinsatzlagers Plaszów sind die ihm zugewiesenen Juden Zielscheiben seiner spontanten, aber offenbar allgegenwärtigen Mordlust. Wie er, der sich als der einzige verbliebene Gott dieser Juden gebärdet, über Tod und Leben gebietet, sucht seinesgleichen selbst im Kosmos der himmler’schen Vernichtungsmaschinerie.

Dem Buch sind Leser zu wünschen: so viele, als irgend geht. Denn entgegen den zahllosen schwarzweissen Bildern, die in zeitgeschichtlichen Dokumentationen spätnachts gezeigt werden, aber keinen wirklichen Inhalt haben, schildert Sachslehner minutiös den Lageralltag, die Spießgesellen Göths, die nichtigen Anlässe, aus denen sie über ihre Opfer herfallen – und er bettet die Schicksale der Opfer ein, soweit bekannt, in ihre Herkunft, Familien- und Berufsverhältnisse auch vor dem Krieg und gibt ihnen (posthum) so etwas zurück wie menschliche Würde inmitten der Hölle.

Ausgewertet sind hier eine Vielzahl von Lebenserinnerungen und Prozessakten gegen Göth, dem schon 1946 in Polen der Prozess gemacht wurde. Dadurch gewinnt die Darstellung Relevanz und Authentizität. Die privaten Seiten des Schlächters illustrieren lediglich, was schon Hannah Arendt herausfand: es kann gar nicht banal genug zugehen in den Wohnstuben der Verbrecher.

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