Bach und Mahler – was denkt man sich dabei?

Was Dirigent Daniel Harding da geritten haben mag, Genie oder Teufel, ist schwer nachzuvollziehen: zwei kammermusikalisch besetzte Werke von Johann Sebastian Bach mit Mahlers Vierter kombinierend, sorgt der Brite für zwiespältige Gefühle. Dass das seltsame Programm ausgerechnet zum Auftakt des heurigen Musikfestes der Wiener Festwochen unter dem Motto Mahler und Amerika statt findet, gehört unter die Unerklärlichkeiten dieser Welt. Es passt nicht zusammen, bezieht sich nicht aufeinander und hat mit Amerika noch nicht einmal entfernte Beziehungen aufzuweisen.

Die Philharmoniker-Matinee im Großen Saal des Konzerthauses beginnt mit einer Überraschung: in kleinstem Ensemble treten ein paar Musiker an und spielen das dritte Brandenburgische Konzert. So weit kann man dem noch folgen.

Die Kantate Ich habe genug BWV 82 ist dann allerdings eher eine Zumutung. Sopranistin Lisa Milne ist lediglich in leisen Passagen verständlich, sie scheint sich aber auch gar nicht zu bemühen, den Dimensionen des Saals gerecht zu werden. Das kann man eigentlich nicht machen.

Perfekt musizieren die Wiener Philharmoniker dann nach der Pause die Vierte Symphonie von Gustav Mahler – ein Heimspiel sozusagen. Unter Harding arbeiten die Philharmoniker die feinen Klangeffekte in Mahlers Partitur plastisch heraus, treffen Schwere wie Ausgelassenheit – und auch das Leichte, Quicklebendige in den hüpfenden Rhythmen.

Allerdings hat man doch schon häufig bessere Soprane das Liedchen im Finalsatz singen hören. Auch hier glänzt Lisa Milne nicht wirklich. Schade, bildet sie doch den einzigen Makel in dieser mustergültigen Interpretation.

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