Bezaubernde Rarität im Haydn-Jahr

Die Rede ist natürlich von den Fischerinnen – Le Pescatrici – in der Kammeroper: ein so gut wie nie gespieltes Stück, das Haydn 1770 schrieb und zu Hochzeitsfeierlichkeiten auf Schloss Esterháza selbst uraufführte.

Dieses Dramma giocoso ist wahrlich ein leichtfüßiges, schlank gebautes Werk mit belangloser Handlung aber beträchtlichem Charme. Und erst recht, wenn die weiblichen Hauptdarstellerinnen Jennifer Davison und Auxiliadora Toledano sind: gerade richtig spitz und spritzig für Fischerinnen, die auf Männer aus sind. Beide sind spitzbübisch, bezaubernd und sexy – und das ist in der Oper schon mehr, als die meisten Sängerinnen zu bieten im Stande sind. Ach ja: gesungen haben sie, indem sie all das spielerisch in Haydns Partitur verwoben haben! Ich war schon lang nicht mehr so begeistert!

Das Komische hat Haydn ja auch direkt in der Musik verankert – ein Weiteres tut an diesem Abend die sarkastisch knappe Übersetzung der Übertitel, die das Gesungene in recht bodenständige Sprache fassen und damit Lacher produzieren, als vermöchte man, den italienischen Text wirklich zu verstehen, wenngleich der einen heute wohl für zu leicht befundenen zeittypischen Humor verbreiten mag.

Die jugendlichen Tenöre José Aparicio und Leif Aruhn-Solén komplettieren das Lustspiel-Quartett, das auch die Handlung trägt. Frische Komik bei klarer Intonation.

Ihnen gegenüber die ersten Figuren: sie tragen die Fabel, sind also irgendwie notwendig. Anna Pierard, Alfred Werner und Sebastian Huppmann – wenngleich ihnen auch der Komponist nicht halb so viel Text – und Musik – gegeben hat, wie den namensgebenden Fischersleuten.

Daniel Hoyem-Cavazza leitete das Hausorchester der Kammeroper – frisches, leichtes Spiel, das bei aller Luzidität durchweg den Eindruck erweckte, präzis und der haydn’schen Partitur gewachsen zu sein. Das macht insgesamt einen gelungenen Abend.

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