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Biografie eines Karrieresoldaten

Der Drecksack General Paulus – so kommt das Echo der Nachkriegseinschätzung im Westen Deutschlands bei einem ihrer fundamentalen Kritiker an, dem linken Liedermacher Franz Josef Degenhardt.

In der BRD musste man dem General nicht vergeben, dass er in Stalingrad kapitulierte – er hatte sich anschließend auf Seiten Stalins und der DDR gestellt, womit man im [weiter…]

Der Blick von drüben

Über diese gigantische Schlacht ist viel geschrieben und allerdings auch viel gelogen worden, bewusst oder unterbewusst, sie ist zu dem entscheidenden Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs stilisiert worden, obzwar sie eigentlich bloß der Punkt der äußersten Dehnung des deutschen Vormarsches war, der sich in der Weite des russischen Raumes von vornherein totlaufen musste.

Die Betrachtung war [weiter…]

Vom Stalinismus zur Demokratie

Brigitte Halbmayr legt eine zu recht als ‘politisch’ bezeichnete Biografie von Hermann Langbein vor: dem Kommunisten wird sie jedoch weniger gerecht als dem Spanienkämpfer, KZ-Überlebenden, Nazijäger und Zeitzeugen. Die moralische Instanz, die Langbein in den späteren Lebensjahrzehnten zweifellos darstellte, strahlt in seine frühen Jahre über – ob zu recht, ist im Rahmen dieses Buchs nicht zu klären. [weiter…]

Subtext der Enttäuschung

Der ehemalige DDR-Historiker Wolfgang Ruhe musste in jungen Jahren aus Hitlerdeutschland fliehen und erlebte in der Sowjetunion die Entzauberung des kommunistischen Traums. [weiter…]

Es jährt sich

Der 22. Juni ist jedes Jahr ein besonderer Gedenktag, für die einen begann ein großes Abenteuer, von dem sie bis heute überzeugt sind, weiß der Teufel was Besonderes sie dabei geleistet hätten, für die anderen ist es schlicht der Beginn jenes titanischen Ringens, das sie den Großen Vaterländischen Krieg nennen und aus dem sie schlussendlich [weiter…]

Der Haken an der Revolution

Wie sich schon an Protagonisten der Französischen zeigen läßt, haben Revolutionen einen Haken: sie fressen ihre Kinder, so naturgemäß auch die Russische.

Der Klappentext des bei propyläen erschienenen Buches Trotzki – Der verratene Revolutionär von Bertrand M. Patenaude verheisst eine Biografie – doch hat der amerikanische Historiker keine klassische Biografie geschrieben.

Zwar steht irgendwie [weiter…]

Trio infernale

Was liegt näher, als – jenseits einer revisionistischen Aufrechnung der Opferzahlen gegeneinander – die großen Verbrecher des Zwanzigsten Jahrhunderts in einer gemeinsamen historischen Betrachtung in Beziehung zu stellen?

Dieses heikle Unterfangen wurde schon mehrfach versucht. Dem aktuellen Ansatz, den Robert Gellately in Lenin, Stalin und Hitler: Drei Diktatoren, die Europa in den Abgrund führten [weiter…]

Die Weltverschlingungsmaschine

War für Karl Kraus das Österreich des beginnenden Zwanzigsten Jahrhunderts die Versuchsstation des Weltuntergangs, so kann man im Jahre 1937 in Moskau das Innenleben einer veritablen Weltverschlingungsmaschine besichtigen.

Terror und Traum: Moskau 1937 von Karl Schlögel führt an einen zwiespältigen historischen Ort: die Hauptstadt der Herrschaft des Proletariats ist eine Art Wolkenkuckucksheim zumindest für [weiter…]

Sozialismus und Individuum

Jener Alexander Jakowlew, der bis in die Tage Gorbatschows Teil des Apparats war, hat eine vernichtende Anklage über das politische System der Sowjetunion geschrieben:

In Ein Jahrhundert der Gewalt in Sowjetrussland läßt uns in eine lange, blutige Geschichte der Sowjetunion blicken, die nicht erst mit Stalin begann und die auch keineswegs mit ihm zu [weiter…]