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Immanenz als Abenteuer

Baruch Spinoza fristet eine Randexistenz in der philosophiegeschichtlichen Wahrnehmung, obgleich die Spuren seines Denkens sich durch die Systeme einer Reihe von nachfolgenden Philosophen ziehen. Nun ist Spinoza zwar nicht der Erfinder des Atheismus in der Philosophie, doch steht er am Anfang der neuzeitlichen Rückgewinnung dieses Territoriums von der unangenehmen Herrschaft der geschichtlichen Religionen.

Wie [weiter…]

Wenig grandioses Scheitern

Eine höchst unbefriedigende Sache: Charles Taylors umfängliche Studie ‘Ein säkulares Zeitalter’ ist eine glatte Themenverfehlung, denn es geht nicht um die Frage, wie es kommen konnte, dass innerhalb von 500 Jahren der Glaube aus der Welt gefallen ist, sondern um die Frage, wie man heute trotzdem noch glauben kann. Das ist aber ein Privatproblem des Autors. [weiter…]

Intellektuelle Redlichkeit

Das Dumme an philosophischen Aufsatzsammlungen, selbst wenn sie von einem einzigen Autor stammen und um eine Auswahl an Themen kreisen, ist es, dass in ihnen fast jeder einzelne Gedanke zwangsläufig zu kurz kommen muss.

Der Vertreter der analytischen Philosophie in Deutschland, Ernst Tugendhat, von dem zuletzt Egozentrizität und Mystik erschienen ist, hat rund um [weiter…]

Von Eseln und Absurditäten

Giordano Bruno wurde als erster moderner Denken von einer noch zutiefst mittelalterlichen Kirche bei lebendigem Leibe verbrannt, weil er Dinge verkündete, die für uns heute selbstverständlich sind. Der Turiner Anacleto Verrecchio hat eine engagierte Biografie verfasst, die sich unter anderem auch dadurch auszeichnet, dass sie Esel Esel nennt… [weiter…]

Ein Archiv der analytischen Philosophie des Wiener Kreises

Der Springer Verlag hat das Archiv der Zeitschrift ‘Erkenntnis’ online frei zugänglich gemacht: damit steht eine Publikation, die an den Anfängen der Analytischen Philosophie und im Zentrum des Wiener Kreises stand, erneut einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. [weiter…]

Im Morast der Spitzfindigkeiten

Da treten zwei, auf die wir beide getrost verzichten können, gegeneinander an – vielmehr der eine gegen den anderen, der von seinem Angriff ja noch nichts weiss: der Grazer Philosophieprofessor Peter Strasser brät dem neurowissenschaftlichen Sterndeuter Thomas Metzinger im Spectrum der guten alten Presse eins über.

Merke: ich habe hier gezielt nicht Philosoph und nicht [weiter…]

Der postaugusteische Irrtum

Man darf, was die Samstags- und Sonntagszeitungen dieses Landes sich als kulturelle Beilagen umhängen, nur in des abschätzigen Sinnes Gebrauch mit dem Wort Feuilleton – so wie’s schon Karl Kraus gebrauchte – bezeichnen. Meist ist es der aktuellen Produktion der Nichtigkeiten gewidmet, der Schau in den Output nimmermüder Druckerpressen – denn es wird so viel [weiter…]

Der erste Rückgriff auf Kant

Friedrich Albert Lange (1828-1875), Gymnasiallehrer, sozialistischer Aktivist, zu Ende seines Lebens endlich auch Univertätsprofessor in Zürich und Marburg, war einer der ersten, die sich – neben Schopenhauer, und im Gegensatz zu ihm auf Basis der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse im Laufe des 19. Jahrhunderts – darüber klar wurden, dass der über Fichte und Schelling bis zu [weiter…]

Sinnvolle Sätze über das Bewusstsein

In der gegenwärtigen philosophischen Debatte um die Implikationen der Neurobiologie gewinnt man recht rasch den Eindruck, dass da von den beteiligten – der Einfachheit halber auf zwei reduzierten – Seiten das Terrain jeweils unterschiedlich definiert wird – sodass man keinen Ort hat, an dem man zusammentreffen könnte, um ein Gespräch zu führen.

Einserseits gelingt es [weiter…]

Vorwissenschaftliche Naturerkenntnis

Die sogenannte wissenschaftliche Weltsicht verdanken wir einigen Griechen. So viel ist common sense. In der Regel denken wir aber nicht groß darüber nach, welche Alternativen es dazu gibt oder gäbe oder vielleicht gegeben haben könnte.

Paul Feyerabend – der Vater des Anything Goes in der Wissenschaftstheorie – hat sich in seinen mittleren Jahren durchaus mit [weiter…]