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Der Synthetiker am Klavier

Der in Tel Aviv geborene Pianist Yaron Herman ist einer jener Jazzmusiker, die – irgendwo in der weiten Welt wurzelnd – ihre Heimat in jenem Europa gefunden haben, das durch die Symbiose mit der Neuen Musik das Beschreiten neuer Wege im Jazz befördert. Wahrscheinlich deshalb lebt Herman seit Jahren in Paris.

Sein Solokonzert im Rahmen des Festivals Spot On Jiddishkeit im Wiener Konzerthaus liess einen erleben, der wenig Angst vor Berührungen mit Tradition und Moderne und darüber hinaus mit maßgeblichen Komponisten der mittleren und neueren Generation der Gegenwart die akribische Suche nach den ausserklassischen Klangmöglichkeiten seines Instruments gemein hat.

Für Herman geraten diese disparaten Einflüsse zu Bausteinen einen Synthese, die er auf dem Klavier mit geradezu ganz-körperlichem Einsatz türmt und formt: was womöglich alles schon dagewesen ist, die Aufarbeitung des Modernen wie das schelmische Zitat des Populären, fallen unter seinen Pfoten ineinander in ein großformatiges Klangbild, ein farbenreiches Kaleidoskop, das dabei niemals den Pfad eines wie suchenden, ver-suchenden (im Sinne des Probierens), dennoch seinen Weg findenden Improvisators verläßt – nichts klingt wie dagewesen, wenn auch anverwandt.

Unter recht viel belanglosem und folkloristischem Zeug – bis hin zum musikalisch gar nicht ergiebigen Kantorenkonzert der Slowakischen Philharmonie unter Mordechai Sobol – ragten wohl die Jazzer heraus: gestern Avishai Cohen, heute Yaron Herman. Das Festival war sonst allzu bunt, zu beliebig – wäre da nicht auch, im Mozartsaal fast untergegangen – ein Konzert des Violinisten Daniel Hoppe gewesen…

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