Eine Komödie der eingeschlafenen Füsse

Müsste man das auf den harten Stühlchen eines Opernhauses, eingepfercht in die engen Reihen zwischen muffigen alten Damen und Herren über sich ergehen lassen – es wär’ eine Tortur! Im Cinplexx aber, im bequemen Kinofauteil mit Arm- und Beinfreiheit kann man sich die Perlen raussuchen.

Die MET hat für diese Saison die Komödie Don Pasquale von Gaietano Donizetti in ihr Live in HD-Programm aufgenommen und heute in alle Welt ausgestrahlt – leider in der schon recht angestaubten Einrichtung von Otto Schenk, der ja bekanntlich ein Dinosaurier der Opernästhetik ist und obendrein in einer Vorstellung von Witz und Humor stecken gebleiben zu sein scheint, die eigentlich längst mit ihm in Ruhestand hätte gegangen sein sollen. Das Ganze hat den Charme der Siebziger und die seichte Witzigkeit der Kammerspiele – also nicht wirklich etwas, das man freiwillig über sich ergeben lassen wollen würde.

Aber… immerhin singt die Netrebko!

Gut, Anna Netrebko ist gesanglich ein Pluspunkt, wenn man auch sieht, dass die Komödie ihr Fach ganz eindeutig nicht ist. Denkt man an die unvergleichlich komische Natalie Dessay in Donizettis Regimentstochter, tun sich zur hölzernen und übertrieben maskenhaften Spielweise der Annissima ganze Abgründe auf. Doch weiss man nicht, liegt’s an einem Mangel der Diva oder an den Vorgaben der Regie…

Die Glanzpartien in der Oper haben aber Mariusz Kwiecien – der Haustenor der MET, der sich langsam aber sicher zum Star entwickelt – als intriganter Doktor Malatesta und MET-Urgestein John del Carlo als Don Pasquale, der sich auf seine alten Tage eine junge Frau zulegen will. Beider Duett im dritten Akt ist legendär – hier mit Präzision und offensichtlichem Spass an der Glanzleistung ausgeführt. Das allein rechtfertigt schon die Mühen der Inszenierung.

Für Meister James Levine am Pult ist das Ganze eher eine Fingerübung – doch es macht auch ihm sichtlich Spass. Das Gesamtkunsterk ist musikalisch gelungen, wenn auch Regie und Ausstattung ein einziger Graus sind. Dabei ist es nur ein theoretischer Trost, dass nicht nur die Staatsoper so alte Klamotten im Repertoire hat.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.