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Eifersucht in Lauwarm

Die Shakespeare-Opern des großen Giuseppe Verdi erfüllen höchste Ansprüche an Musik und Libretto, wie es sonst nur selten, auf alle Fälle aber noch beim Duo Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal, der Fall ist; um das noch schief zu biegen, muss sich schon die Regie ins Zeug legen. Was Christine Mielitz in der Staatsoper, sehr zum Glück des Besuchers, nur teilweise gelingt.

Nun, Otello ist ein Mohr. So sagt Shakespeare. Das muss aber keineswegs heissen, er sei schwarz – profan: ein Neger. Das englische Wort moor kommt nämlich von mauri, was einen Berber meint. Es ist zwar wirklich scheissegal, wie man das interpretiert, aber dass man Johan Botha zwingt, sich mit allenfalls bundesheer-tauglicher Tarnfarbe im Gesicht auf die Bühne zu stellen, ist eher peinlich. Zum Glück sind professionelle Sänger solchen Kummer gewohnt.

Wie überhaupt die Ausstattung das eigentliche Ärgernis der Aufführung ist: ein versenkbares Podium inmitten der Bühne, damit liesse sich trefflich spielen. Leider wird in den meisten Szenen nicht einmal annähernd klar, warum das Podium mal da ist und mal nicht, und wozu die aus dem Himmel hängenden Fetzen und Vorhänge dienen mögen. Folglich klettern die Darsteller durch einen Hindernisparcours, der offenbar primär ihrer Beschäftigung dient.

Gesungen ist das Ganze leidlich gut, namentlich Johan Botha als Otello und Krassimira Stoyanova als Desdemona, am Rande aber auch noch Franz Grundheber als Jago, sie haben jedoch eingermassen gegen Kapellmeister Adam Fischer und das ausnehmend lahme Orchester anzukämpfen.

Dafür, dass Frau Mielitz gemeinhin eher gefeiert als kritisiert wird, dass auch das Ensemble sich hörbar bemühte, war’s dann recht lauwarm – aber das scheint die Grundtemperatur der vor sich hin dämmernden Ära Holender zu sein. In Gott’s Namen, bringen wir’s hinter uns!

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