Ein End’ in leisen Tönen

Zum ersten Mal hatte ich Gegelenheit, das Klavierkonzert opus 42 von Arnold Schönberg aus 1942 zu hören – und das Philharmonia Orchester unter Esa-Pekka Salonen begleitete feinfühlig Mitsuko Uchida durch das luzide Werk aus der amerikanischen Phase.

Die Formenstrenge, die Schönberg sich früher, noch im Violinkonzert, auferlegt hatte, ist hier deutlich gemildert, einige Verbote hält er nun selbst nicht mehr ein – gerade der Solopart des Klaviers im 2. Satz spricht eine vollkommen andere Sprache, die fast schon wieder zu Brahms zurück findet in ihrer Geschlossenheit, ohne allerdings das eigene charakteristische Idiom des Komponisten ganz zu leugnen.

Eher spitzbübisch das zweite aus den Sechs Klavierstücken op. 19, das in seiner konzentrierten Knappheit wie abgehackt wirkte – von Frau Uchida als Zugabe gespielt.

Nach der Pause gaben Salonen und das Philharmonia Orchestra eins der großen symphonischen Werke vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, doch mitnichten eins der lauten.

Natürlich muss eine Symphonie nicht mit Crescendo und Tutti enden – gar manche tut das nicht, wenn solche Werke auch in der Minderheit sind. Gustav Mahler hat mit seiner Neunten aber genau diesen Weg beschritten, sein musikalischer Kosmos nimmt zunächst neue Elemente auf – wie die Ländler und überhaupt den Tanz im 2. Satz – und zerlegt sie in ihre Bestandteile, bis sie sich vollends aufgelöst haben.

Auch mit dem ihm schon heimatlich gewordenen Trauerkondukt verfährt Mahelr diesmal rigoros, der gar in einem lang hinausgezögerten Abgesang verhallt. Genauso löst er auch am Ende das Werk in leisen, zaghaft verklingenden Tönen auf.

Gemeinsam mit dem Vorabend, an dem Schönberg und Zemlinsky geboten wurden, ergab sich ein eindringliches Panorama der musikalischen Welt Wiens an jenen drei Punkten vor, inmitten und nach der großen musikalischen Umwälzung, die die Zweite Wiener Schule bringen sollte.

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