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Ein Stürmchen mit Kraft

Dieser neue Sturm, neu seit Juni an der Akademie, von Barbara Frey drastisch gekürzt, stellt ein geglücktes Manöver in der Kunst der Verknappung auf die Bühne: viel Personal ist dem Stück abhanden gekommen: Prosperos Bruder Antonio, König Alonso, die Matrosen und sonstige Randfiguren.

Shakespeare verbessern? Hätten Antonio und Alonso keinen Text? Nun, sie hätten umfangreiche Szenen gleich am Beginn des ersten sowie des zweiten Aufzugs. Doch offenbar haben sie uns nichts zu sagen – denn sie fehlen nicht.

Johann Adam Oest als Erzählerfigur Prospero und (in einer Szene) als Verschwörer Trinculo, Joachim Meyerhoff als umtriebiger, pfiffiger, charmanter Ariel, doch auch als Verschwörer Stephano, und Maria Happel als Diener/Sklave/Verschwörer Caliban und Prospero’s Tochter Miranda geben eine augenzwinkernde, stets im Positiven improvisierte Zusammenfassung, in der nichts Wesentliches zu fehlen scheint.

Das Prinzip der aus der Tiefe zurückgeholten Perspektive und der gerafften Breite macht den Abend kurzweilig, aber nicht nur, weil zeitlich kurz – in eineinhalb Stunden ist der Spuk vorbei. Das verleiht Tempo, wo sonst Gerede die Szene beherrscht, und Komik – gerade in den unverhohlenen Wechseln der Darsteller in ihre mehrfachen Rollen. Spärliche Requisite, karge Bühne, nur der allernötigste Aufwand bei den Kostümen: wir verstehen das auch so.

Es ist ein verkleinerter Sturm geworden, aber seine Kraft ist ihm geblieben. Shakespeare war nie tot, aber so lebendig auch schon länger nicht mehr. Von wem war die Übersetzung? Die – und auch die Wortwahl, leicht modern, stellenweise launig, poetisch im klassischen Sinn – war ehrlich gut.

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