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Ein Troubadur bei den Wikingern

Es gehört mir längst zur lieben Gewohnheit, bei Reisen in fremde Städte – so sie groß genug sind – einen Blick ins dortige Operngeschehen zu tun. Da war ich denn froh, dass die Kungliga Operan in Schwedens Hauptstadt Stockholm auch im August schon aktiv ist. die Säsongen 2008/2009 hat bereits begonnen!

Verglichen mit verschlafenen Nestern wie Paris ist das Bestleistung – aber auch in Wien können wir das erst geniessen, seit das Theater an der Wien wieder Opernbühne ist.

Man muss in Verdis Troubadur zwar mit einer recht lokalen Besetzung vorlieb nehmen, doch gelingt dem Ensemble eine recht runde Aufführung in einem sogar kongenialen Bühnenraum von Reinhard von der Thannen. Ein rundes Mauerwerk, das die Bühne zu zwei Dritteln umschliesst und sowohl vorne den Zuschauerraum aussperren als auch nach hinten gefahren die Szene öffnen kann, ist bis auf zwei oder drei Requisiten alles, was die Inszenierung braucht.

Und sie ist trotzdem spannend, erzählt eine Geschichte – auch wenn man die schwedische Übersetzung nicht versteht – und gibt den Sängern ohne jede Vergewaltigung Raum, sich ausdrücken und ihre Rollen auszufüllen.

Insbesondere Sara Olsson manifestierte eine Leonora, die sowohl in der Bühnenpräsenz als auch sanglich hervorstach. Manrico Stuart Neill wurde zwar heftig beklatscht, hatte aber hörbar Schwierigkeiten im dritten Akt.

Graf Luna Karl-Magnus Frederiksson und Fernando John Erik Eleby, aber auch Azucena Ingrid Tobiasson boten respektable Leistungen.

Man wird zwar den Eindruck niemals los, dass Stockholm – was die Oper angeht – eben doch nicht Wien ist, aber ein gelungener Abend war’s dennoch. Und eine unverstaubte Inszenierung wie diese stünde auch der Wiener Staatsoper gut an: man muss nur den ewigen Direktor Hollaender und vor allem den im vorvorletzten Jahrhundert übriggebliebenen Otto Schenk endlich, endlich in Pension schicken…

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