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	<description>Ein weiteres tolles WordPress-Blog</description>
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		<title>Der Tannh&#228;user im Repertoirebetrieb</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Sep 2010 21:01:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harbran</dc:creator>
				<category><![CDATA[Oper]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsoper]]></category>
		<category><![CDATA[Wagner]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Tannh&#228;user hat Richard Wagner sich auch nach der Premiere der ersten Fassung sein ganzes weiteres Leben lang erfolglos abgem&#252;ht. Das lag in erster Linie daran, dass er sich im Libretto eines Themas angenommen hatte, das ihn erstens selbst widerspiegelte und betraf und zweitens realiter gar nicht aufzul&#246;sen war und ist.
Es ist eines der gro&#223;en [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am <em>Tannh&#228;user</em> hat <strong>Richard Wagner</strong> sich auch nach der Premiere der ersten Fassung sein ganzes weiteres Leben lang erfolglos abgem&#252;ht. Das lag in erster Linie daran, dass er sich im Libretto eines Themas angenommen hatte, das ihn erstens selbst widerspiegelte und betraf und zweitens realiter gar nicht aufzul&#246;sen war und ist.</p>
<p>Es ist eines der gro&#223;en Themen der Menschheit, eine der klassischen k&#252;nstlichen Entgegenstellungen, die in irgendeiner Form sich immerzu aufdr&#228;ngen, grunds&#228;tzlich aber gar nicht sein m&#252;ssen &#8211; man kann es mit Baudelaire knapp und pr&#228;zise sagen: </p>
<blockquote><p>der Kampf des Fleisches mit der Lust, des Himmels mit der H&#246;lle.</p></blockquote>
<p>Wagner selbst hat zeit seines Lebens nicht- und aussereheliche Liebschaften aneinander gereiht, und hatte darunter, ganz Kind seiner Zeit, in schw&#252;lstiger Aufgeblasenheit zu leiden. Man kann es nat&#252;rlich als gro&#223;artige k&#252;nstlerische Leistung ansehen, dass und wie solches ins Werk sublimiert wurde.</p>
<p>Im <em>Tannh&#228;user</em> ist Wagner in wunderbarer Weise die Gegensetzung der beiden Optionen gelungen, wenngleich &#252;ber die tugendhafte Seite der Paarung inzwischen der Untergang ihrer christlichen Fundamente hinweg gegangen ist. An der <em>reinen Minne</em> ist nichts mehr dran &#8211; und ehrlicherweise kann man wohl davon ausgehen, dass schon damals nicht viel dran war: des Dichters und Komponisten eigenes Leben legt beredtes Zeugnis davon ab, wie theoretisch das alles l&#228;ngst gewesen sein d&#252;rfte.</p>
<p>F&#252;r ein B&#252;hnenwerk schlimm aber ist die immanente Unm&#246;glichkeit, dieses Dilemma aufzul&#246;sen. Das liegt vermutlich daran, dass hier von jeher ein &#228;u&#223;erst realer einem blo&#223; eingebildeten Gegner gegen&#252;ber gestellt wird. So bleibt wenig anderes als die Suppe duchzur&#252;hren, kr&#228;ftig aufzukochen und schlussendlich in den Gulli zu sch&#252;tten: die Tugendhafte stirbt, indem sie sich f&#252;r ihren zerrissenen Verehrer opfert, und der stirbt auch.</p>
<p>Das ist zweifellos ein Ende, denn es sind fast alle tot, die f&#252;r den Konflikt wichtig sind &#8211; bezeichnenderweise aber lebt Frau Venus, die Personifizierung der Lustseite, unger&#252;hrt weiter. In diesem Punkt scheint der kleine Rest von Realit&#228;tssinn sich zu konzentrieren.</p>
<p>Was ihm dramaturgisch mi&#223;lang, hat Wagner musikalisch zugekleistert. Sein apothetischer Schlusschor tut weh, das vorangehende motivationslose Hinscheiden der beiden Protagonisten sowieso. Man kann sich diesen dritten Akt getrost schenken &#8211; so k&#246;nnte man einen schn&#246;rkellos sch&#246;nen Opernabend gehabt haben.<br />
<span id="more-948"></span><br />
Allerdings br&#228;chte man sich im Falle der Inszenierung von <strong>Claus Guth</strong> um einen wahrhaft genialen &#8211; wenn auch in seiner Konsequenz vermutlich gar nicht beabsichtigten &#8211; zynischen Kommentar: spielt der dritte Akt in der Ausstattung von <strong>Christian Schmidt</strong> in einer eindeutigen Adaption der Irrenhausatmosph&#228;re des Otto Wagner&#8217;schen Spitals, so wird der Pilgerchor folgerichtig in Zwangsjacken gesteckt und begleitet von &#196;rzten und Schwestern vorgef&#252;hrt. Selten hat man auf einer B&#252;hne &#8211; und schon gar jener ehrw&#252;rdigen der Staatsoper &#8211; religi&#246;se Versteigungen derart pointiert kommentiert gefunden. </p>
<p>Ansonsten war nat&#252;rlich alles brav gesungen, wenn auch h&#246;lzern dargestellt. F&#252;r Kammers&#228;nger <strong>Johan Botha</strong>, der sanglich gro&#223;artiges leistet, mag die Entschuldigung gelten, dass er in seiner in Jahren amassierten Beleibtheit einfach nicht mehr schnurstracks gehen kann sondern als gelegentlich hilflos flatternder Pinguin durch die Szene watschelt.</p>
<p>Wie die Maske Frau Venus <strong>Michaela Schuster</strong> verunstaltet hat, l&#228;&#223;t einen das Opernglas resignierend zur Seite legen. Aber h&#246;ren kann man sie auch ohne. Besser erging es da Elisabeth <strong>Anja Kampe</strong>, die ihrer v&#246;llig unzeitigen Rolle zum Trotz hohe Pr&#228;senz mit der Fragilit&#228;t der tugendhaften jungen Frau zu vereinen wusste &#8211; und: ihr hat man das Gesicht gelassen.</p>
<p>Bemerkenswert konzise und auch sonst ohne Makel: der Eschenbach von <strong>Matthias Goerne</strong> &#8211; rein und pur bis zum Erschauern. Ein anachronistischer Recke, der wie zum Hohn das ganze Schlamassel &#252;berleben muss.</p>
<p>Einen wahren Narren gefressen hat das Staatsopern-Publikum an seinem neuen Generalmusikdirektor <strong>Franz Welser-M&#246;st</strong> &#8211; tosender Applaus und Bravo-Rufe begleiten ihn schon beim ersten Betreten des Orchestergrabens. Und irgendwie zurecht: seine Arbeit an der Partitur bringt die Feinheiten des Wagner&#8217;schen Fr&#252;hstils zum Klingen, das <strong>B&#252;hnenorchester der Wiener Staatsoper</strong> leistet sich maximal etwas &#220;berlautst&#228;rke, jedoch keine Breiigkeit, wie sie ansonsten vom sp&#228;ten Wagner her &#252;berzuschwappen pflegt.</p>
<p>Das also ist die neue &#196;ra im <em>Haus am Ring</em>: wir haben einen neuen Liebling, und ein solcher Sympathietr&#228;ger wird dem Duo Welser-M&#246;st und Meyer gewiss gut tun. An der grundlegenden Misere des Hauses wird sich damit wenig &#228;ndern. Denn dass man diesem Tannh&#228;user, der letzten Neueinstudierung der endlich doch noch verblichenen &#196;ra Hollender, <em>Repertoiretauglichkeit</em> bescheinigen muss, ist eigentlich schon Rufmord &#8211; aber leider nur zu wahr.</p>
<p>Die psychologischen Feinheiten, die Regisseur Claus Guth da sichtlich m&#252;hsam erarbeitet haben mag, sind in den paar Auff&#252;hrungen seit Juni zu hohlen Phrasen und leeren Gesten abgeschliffen. Der Repertoirebetrieb l&#228;&#223;t gr&#252;ssen.</p>
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		<title>Bet&#246;render Klang der Komplexit&#228;t</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 18:58:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harbran</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klassik]]></category>
		<category><![CDATA[Bach]]></category>
		<category><![CDATA[Barock]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Kunst der Fuge ist zweifelsohne das komplexeste Werk von Johann Sebastian Bach, jene gr&#252;ndliche Demonstration der musikalischen und logischen Folgerichtigkeit des Kontrapunkts. Manche haben es schon f&#252;r ein mathematisches R&#228;tsel erkl&#228;rt.
Die Mathematik war nie sehr fern von der Musik &#8211; und nur hoffnungslos romantische Irrlichter konnten je auf die Idee kommen, das zu &#252;bersehen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die Kunst der Fuge</em> ist zweifelsohne das komplexeste Werk von <strong>Johann Sebastian Bach</strong>, jene gr&#252;ndliche Demonstration der musikalischen und logischen Folgerichtigkeit des Kontrapunkts. Manche haben es schon f&#252;r ein mathematisches R&#228;tsel erkl&#228;rt.</p>
<p>Die Mathematik war nie sehr fern von der Musik &#8211; und nur hoffnungslos romantische Irrlichter konnten je auf die Idee kommen, das zu &#252;bersehen. Andererseits hat besonders auch das mathematischste St&#252;ck Bachs seine zutiefst musikalischen Reize.</p>
<p>Es gibt von der <em>Kunst der Fuge</em> sehr viele Instrumentierungen und Transpositionen, vom Streichquartett &#252;ber zwei Klaviere bis hin zu einer <a href="http://spoudogeloion.harbran.at/mehrere-gamben-umkreisen-den-kontrapunkt/" class="lispou">Ensembleversion</a> von Vittorio Ghielmi&#8217;s <em>Il Suonar Parlante</em>&#8230;</p>
<p>Aus mehreren Gr&#252;nden kurios zu nennen ist aber die j&#252;ngste Einspielung: einerseits wegen des erstmals f&#252;r eine Aufnahme verwendeten <strong>Pianofortes</strong> &#8211; eines Hammerfl&#252;gels -. andererseits wegen des Interpreten: <strong>Walter Riemer</strong> ist zwar ein am Wiener Konservatorium ausgebildeter Pianist, jedoch nicht Berufsmusiker.</p>
<p><a href="http://spoudogeloion.harbran.at/wp-content/uploads/2010/08/bach_kunst-der-fuge_riemer.jpg" class="liimagelink"><img src="http://spoudogeloion.harbran.at/wp-content/uploads/2010/08/bach_kunst-der-fuge_riemer-300x300.jpg" alt="" title="Johann Sebastian Bach - Die Kunst der Fuge - Walter Riemer" width="300" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-940" /></a></p>
<p>Riemers <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000W2BMNA?ie=UTF8&#038;tag=bsccomm-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=B000W2BMNA" class="liamz">Kunst der Fuge</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=bsccomm-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B000W2BMNA" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> klingt ob des eingesetzten Hammerfl&#252;gels, Nachbau nach einem Instrument von <em>Andreas Stein 1773</em>, nahezu sph&#228;risch. Man kann die Begeisterung des Interpreten f&#252;r diese frischen Klangdimensionen nachgerade verstehen.</p>
<p>Weniger h&#252;bsch ist es aber, wie der Pianist sich stellenweise am Bach&#8217;schen Zyklus abarbeitet. Die Behandlung ist an vielen Stellen flach, sie bewegt sich kaum je in der N&#228;he historischer Werktreue &#8211; was man aber umgekehrt auch einem <strong>Glenn Gould</strong> nicht vorwerfen k&#246;nnte &#8211; und erreicht andererseits nie die H&#246;he eigenst&#228;ndiger Interpretation. In beiden Richtungen aber gibt es mittlerweile Meilensteine der Bach-Interpretation.</p>
<p>Bleibt also der bet&#246;rende Klang, den Walter Riemer der Basch&#8217;schen Komplexit&#228;t zu entlocken versteht. Und wenn es f&#252;r sonst nichts taugt: dieses H&#246;rerlebnis ist die zweifache SACD allemal wert. Bis zu einer berufeneren Einspielung der <em>Kunst der Fuge</em> f&#252;r Pianoforte wird sie ihren Plastz im Regal wohl behaupten k&#246;nnen.</p>
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		<title>Einsames Cello aus dem Barock</title>
		<link>http://spoudogeloion.harbran.at/einsames-cello-aus-dem-barock/</link>
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		<pubDate>Sun, 01 Aug 2010 20:03:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harbran</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klassik]]></category>
		<category><![CDATA[Corrette]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer die Solosonaten f&#252;r Cello von Johann Sebastian Bach liebt, kommt eigentlich an den <em>Délices de la Solitude</em> von <strong>Michel Corrette</strong> nicht vorbei. Die sechs Cellosonaten mit basso continuo sind wahre Exemplare der Stilkunst des Sp&#228;tbarock.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem sich das Cello allm&#228;hlich &#252;ber Europa verbreitet hatte, wurde es in der ersten H&#228;lfte des 18. Jahrhunderts im Zuge der italienischen Mode &#8211; nach Vivaldis internationalem Triumph &#8211; ein integraler Teil des Musizierens, doch blieb es in seinen M&#246;glichkeiten trotzdem zun&#228;chst ein eher untersch&#228;tztes Instrument. Das lag nat&#252;rlich auch an der noch wenig entwickelten Spieltechnik.</p>
<p>F&#252;r die franz&#246;sische Musik nahm sich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Corrette" rel="nofollow" class="liwikipedia">Michel Corrette</a> &#8211; Autor von insgesamt 17 musiktheoretischen WErken und Spielanleitungen f&#252;r verschiedene Instrumente &#8211; des neuen Instruments an, indem er seine <em>Méthode théorique et pratique pour apprendre en peu de temps le Violoncelle dans sa Perfection</em> ver&#246;ffentlichte.</p>
<p>Aber Corrette nahm sich des Cello nicht nur didaktisch sondern auch als Komponist an: er ver&#246;ffentlichte schon 1738/39 <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B003C1KSM4?ie=UTF8&#038;tag=bsccomm-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=B003C1KSM4" class="liamz">Les delices de la solitude</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=bsccomm-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B003C1KSM4" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> (Die Wonnen der Einsamkeit), eine Sammlung von sechs Sonaten f&#252;r Violoncello.</p>
<p><a href="http://spoudogeloion.harbran.at/wp-content/uploads/2010/08/corrette_les-delices-de-la-solitude.jpg" class="liimagelink"><img src="http://spoudogeloion.harbran.at/wp-content/uploads/2010/08/corrette_les-delices-de-la-solitude-300x271.jpg" alt="" title="Michel Corrette - Les Délices de la solitude" width="300" height="271" class="alignleft size-medium wp-image-937" /></a></p>
<p>Wer die Solosonaten f&#252;r Cello von <strong>Johann Sebastian Bach</strong> liebt, kommt eigentlich an den <em>Délices</em> von Corrette nicht vorbei. Sie sind fein gedrechselte Meisterwerke und Exemplare der Stilkunst des Sp&#228;tbarock.</p>
<p>Das Ensemble <strong>Bassorum Vox</strong> spielt auf historischen Instrumenten &#8211; die beiden Violoncelli stammen aus dem 18. Jahrhundert, Barockgitarre, Theorbe und Cembalo sind nachbauten der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts &#8211; und haben sich der franz&#246;sischen, deutschen und italienischen Musik von Barock bis Romantik verschrieben. Sein Leiter <strong>Seung-Yeon Lee</strong> spielte f&#252;r die CD den Solopart ein.</p>
<p>Corrette spielt sowohl mit franz&#246;sischen als auch italienischen Elementen: die <em>Sonata VI</em> etwa beginnt mit Fanfarenkl&#228;ngen, entwickelt geradezu den Character einer <em>Battaglia</em>, um sp&#228;terhin in einer traditionellen <em>Gigue</em> auszuklingen. </p>
<p>In der <em>Sonata I</em> klingt die <em>Aria</em> des mittleren Satzes tats&#228;chlich nach Oper, auch die <em>Sarabandes</em> in <em>III</em> und <em>V</em> sind stark gesanglich gestaltet und erinnern gleichfalls an Arien der franz&#246;sischen Oper.</p>
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		<title>Mehrere Gamben umkreisen den Kontrapunkt</title>
		<link>http://spoudogeloion.harbran.at/mehrere-gamben-umkreisen-den-kontrapunkt/</link>
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		<pubDate>Thu, 22 Jul 2010 18:58:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harbran</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klassik]]></category>
		<category><![CDATA[Bach]]></category>
		<category><![CDATA[Barock]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Milaneser Gambenspezialist Vittorio Ghielmi und sein Ensemble Il Suona Parlante haben schon einige barocke Kostbarkeiten musiziert und auf Tontr&#228;ger gebannt &#8211; nun haben sie, gemeinsam mit Vittorios Bruder Lorenzo Ghielmi, der sich mit vergleichbarer Hingabe dem Cembalo gewidmet hat, die nicht eben einfache Kunst der Fuge von Johann Sebastian Bach f&#252;r Ensemble eingespielt.

Damit gesellt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Milaneser Gambenspezialist <strong>Vittorio Ghielmi</strong> und sein Ensemble <strong>Il Suona Parlante</strong> haben schon einige barocke Kostbarkeiten musiziert und auf Tontr&#228;ger gebannt &#8211; nun haben sie, gemeinsam mit Vittorios Bruder <strong>Lorenzo Ghielmi</strong>, der sich mit vergleichbarer Hingabe dem Cembalo gewidmet hat, die nicht eben einfache <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B001QUBBBA?ie=UTF8&#038;tag=bsccomm-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=B001QUBBBA" class="liamz">Kunst der Fuge</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=bsccomm-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B001QUBBBA" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> von <strong>Johann Sebastian Bach</strong> f&#252;r Ensemble eingespielt.</p>
<p><a href="http://spoudogeloion.harbran.at/wp-content/uploads/2010/08/bach_kunst-der-fuge_ghielmi.jpg" class="liimagelink"><img src="http://spoudogeloion.harbran.at/wp-content/uploads/2010/08/bach_kunst-der-fuge_ghielmi-300x265.jpg" alt="" title="Johann Sebastian Bach - Die Kunst der Fuge - Vittorio und Lorenzo Ghielmi, Il Suonar Parlante" width="300" height="265" class="alignleft size-medium wp-image-944" /></a></p>
<p>Damit gesellt sich eine weitere, weniger exotische denn schlicht folgerichtige, Transkription zu den nicht wenigen dieses Zyklus. Eignet sich die vielfach verstrickte Komposition f&#252;r Streichquartett, so tut sie es nicht weniger f&#252;r ein Ensemble aus Gamben &#8211; viol soprano, viol tenor, viol bass sowie gro&#223;e viol bass -, Fl&#246;te und Cembalo.</p>
<p>Im Zusammenklang der weichen Gamben mit ihren Neben- und Untert&#246;nen wirkt das kompositorische Geflecht der zu immer gr&#246;&#223;erer Komplexit&#228;t fortschreitenden Kontrapunktik l&#228;ngst nicht mehr streng. Im Ensemble verwirklicht das Bach&#8217;sche Fugenwerk seine immanente Musikalit&#228;t und l&#228;&#223;t ihre strenge Konstruktion bestenfalls noch erahnen.</p>
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		<title>Verzicht auf Geistesblitze</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Jun 2010 22:30:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harbran</dc:creator>
				<category><![CDATA[Oper]]></category>
		<category><![CDATA[Berg]]></category>
		<category><![CDATA[Cerha]]></category>
		<category><![CDATA[Festwochen]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater/Wien]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Wiener Festwochen ehren dies&#8217; Jahr Alban Berg, und so gibt es nach dem Wozzeck im Mai nun auch die Lulu: die Inszenierung von Peter Stein stammt aus dem letzten Jahr und wurde f&#252;r die Opéra de Lyon entwickelt. Sie zeichnet sich durch stringentes Erz&#228;hlen und recht konventionelle Figurenzeichnung aus &#8211; was auf der B&#252;hne [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die <em>Wiener Festwochen</em> ehren dies&#8217; Jahr <strong>Alban Berg</strong>, und so gibt es nach dem <a href="http://spoudogeloion.harbran.at/ein-kraeftiges-lebenszeichen-von-der-ersten-oper-der-moderne/" class="lispou">Wozzeck</a> im Mai nun auch die <em>Lulu</em>: die Inszenierung von <strong>Peter Stein</strong> stammt aus dem letzten Jahr und wurde f&#252;r die <em>Opéra de Lyon</em> entwickelt. Sie zeichnet sich durch stringentes Erz&#228;hlen und recht konventionelle Figurenzeichnung aus &#8211; was auf der B&#252;hne passiert, kokettiert mit schw&#252;ler Erotik, ohne jemals die Grenzen des Schicklichen zu verlassen, und ist ansonsten eher fad.</p>
<p>Die Fassung ist die mit dem von <strong>Friedrich Cerha</strong> komplettierten dritten Akt, gespielt mit etwas zu viel Druck vom <strong>Mahler Chamber Orchester</strong> unter <strong>Daniele Gatti</strong>. Sein Dirigat treibt bisweilen die S&#228;nger vor sich her.</p>
<p>Die <em>Lulu</em> der Amerikanerin <strong>Laura Aikin</strong> ist versiert gesungen, auch und gerade in den vielen hohen T&#246;nen, die Berg ihr in die Partitur geschrieben hat, noch fl&#252;ssig und pr&#228;sent. Darstellerisch passt sie ins Konzept von Peter Stein, sie f&#252;llt die Rolle aus, doch ohne jemals glaubw&#252;rdig zu sein: diese Lulu ist niemals ein tiefgr&#252;ndiges M&#228;dchen, sie ist immer die ausgepichte Kokotte.</p>
<p>Vom Nebenpersonal brilliert mit Abstand die <em>Gr&#228;fin Geschwitz</em>, eindringlich gesungen von einer eleganten <strong>Natasha Petrinsky</strong>. Bla&#223; neben ihr <strong>Stephen West</strong> als <em>Dr. Sch&#246;n</em>, jedoch verm&#246;gen die Ten&#246;re jeweils zu gl&#228;nzen: <strong>Thomas Piffka</strong> als <em>Alwa</em> und <strong>Roman Sadnik</strong> als der <em>Maler</em>.</p>
<p>Steins Inszenierung ist nicht weiter erw&#228;hnenswert, steht dem Gelingen aber auch nicht im Weg. Sie ist, wie auch B&#252;hne und Kost&#252;me, weitestgehend konventionell, verzichtet nicht nur auf Provokationen sondern leider auch auf Geistesblitze.</p>
<p>Man muss den Festwochen danken, dass sie dieses zentrale Werk der Zweiten Wiener Klassik wieder einmal ins Programm gehoben haben. Bergs Musik ist dicht, an einigen Stellen ein wenig zu kr&#228;ftig musiziert, Cerhas dritter Akt f&#252;gt sich nahtlos ins Ganze, der Spannungsbogen h&#228;lt bis zum Schluss: insgesamt also ein nahezu vollendeter Abend mit klassich-moderner Oper.</p>
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		<title>Der lustlose Virtuose versenkt ein Standardwerk</title>
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		<pubDate>Fri, 28 May 2010 22:10:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harbran</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konzert]]></category>
		<category><![CDATA[Berg]]></category>
		<category><![CDATA[Tschaikowski]]></category>
		<category><![CDATA[Zemlinsky]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit dem ersten Klavierkonzert op. 23 in b-moll von Pjotr Iljitsch Tschaikowski hat es eine ganz eigene Bewandtnis: es geh&#246;rt zu den meistgespielten seiner Gattung &#252;berhaupt, und das dankt sich in erster Linie dem Einleitungsmotiv in Des-Dur, das weit &#252;ber die Konzerts&#228;le und die H&#246;rerschaft von klassischer Musik hinaus bekannt ist.
Dabei ist gerade der lange [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem <em>ersten Klavierkonzert op. 23 in b-moll</em> von <strong>Pjotr Iljitsch Tschaikowski</strong> hat es eine ganz eigene Bewandtnis: es geh&#246;rt zu den meistgespielten seiner Gattung &#252;berhaupt, und das dankt sich in erster Linie dem Einleitungsmotiv in Des-Dur, das weit &#252;ber die Konzerts&#228;le und die H&#246;rerschaft von klassischer Musik hinaus bekannt ist.</p>
<p>Dabei ist gerade der lange Kopfsatz &#252;ber weite Strecken weder interessant noch spannend noch besonders anspruchsvoll, der zweite ist picks&#252;ss geraten &#8211; und den dritten hat <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Iljitsch_Siloti" rel="nofollow" class="liwikipedia">Alexander Siloti</a> drastisch gek&#252;rzt. </p>
<p>Nichts desto trotz kann man dem Werk auch in der gek&#252;rzten Fassung einen gewissen Zauber nicht absprechen. Allerdings setzt das voraus, dass die Ausf&#252;hrenden dem auch gewachsen sind.</p>
<p>Was das <strong>RSO Wien</strong> betrifft, kann man davon ausgehen, dass seine hervorragenden Musiker das durchaus k&#246;nnen. Vom Dirigenten des Abends, <strong>Cornelius Meister</strong>, gilt das leider nicht: hier fehlt die Pr&#228;zision und die optimale Abstimmung mit dem Solisten.</p>
<p>Das wahre &#196;rgernis der Auff&#252;hrung ist aber eben der Solist: der einstmals als gro&#223;es Talent gehandelte und inzwischen sich eher rar machende Kroate <strong>Ivo Pogorelich</strong> traktiert das Klavier zum einen an der grenze zur Brutalit&#228;t, zum anderen l&#228;sst er seine Lustlosigkeit allzu offenbar werden.<br />
<span id="more-916"></span><br />
Bisher ist mir noch nicht untergekommen, dass das normalerweise kritiklos Star-verliebte Wiener Publikum einem Solisten schon nach dem ersten Satz mit lautstarken, vielkehligen Buh-Rufen Bescheid sagt, solches kennt man sonst nur aus der <a href="http://derstandard.at/1259281446364/Staatsoper-Wien-Opernwald-der-flachen-Pointen" class="listd">Staatsoper</a>.</p>
<p>Die etwas <em>heisere</em>, kantige Interpretation k&#246;nnte dem St&#252;ck ja vielleicht sogar gut tun, es aus dem pickig s&#252;&#223;lichen Eck der Allerweltsklassik wieder hervorholen &#8211; w&#228;re da nicht die ganz und gar offensichtliche Lustlosigkeit des Solisten, gepaart mit schon nicht mehr auszuhaltender Gro&#223;k&#252;nstler-Pr&#228;potenz.</p>
<p>Daneben muss leider der Eindruck einer &#246;sterreichischen Erstauff&#252;hrung verblassen: zu Beginn des Konzerts erweist das RSO dem kleineren Wiener Jahresregenten <strong>Alban Berg</strong> die Ehre, die unvollst&#228;ndige Komposition <em>Passacaglia</em> aus dem Jahr 1913 in ihrer unvollendeten Urfassung in diesem Land erstmals aufzuf&#252;hren.</p>
<p>Nun ja: Berg, der wenige, daf&#252;r in recht verschiedenen Gattungen ausnahmslos exzeptionelle Werke &#8211; siehe den <a href="http://spoudogeloion.harbran.at/ein-kraeftiges-lebenszeichen-von-der-ersten-oper-der-moderne/" class="lispou">Wozzek von letzter Woche</a> &#8211; geschaffen hat, wird schon gewusst haben, warum er ausgerechnet dieses <em>nicht</em> vollendet hat: es ist seiner Rede nicht wert, lediglich das heurige <em>Fest f&#252;r Alban Berg</em> im Rahmen der <em>Festwochen</em> heischt nach so etwas wie einer Erstauff&#252;hrung. Man ist ja schliesslich nicht irgendwer&#8230;</p>
<p>Nach der Pause gibt&#8217;s noch <strong>Alexander von Zemlinsky</strong>, aber leider nur die recht allerweltsgewandte <em>Seejungfrau</em> von 1902, ein eher banales Werk des sonst f&#252;r seine &#8211; beteiligte &#8211; Position am Rande der Moderne bekannten Komponisten.</p>
<p>Dirigent Meister entbl&#246;det sich eingangs nicht, die sattsam bekannte Geschichte der verliebten Meerjungfrau zu erz&#228;hlen &#8211; immerhin in freien Worten, Anerkennung! &#8211; und senkt das Niveau der Veranstaltung damit endg&#252;ltig auf das eines Sch&#252;lerkonzerts.</p>
<p>Die Armen sind die Damen und Herren des Radio-Symphonie-Orchesters, hervorragende Musiker, die einen extrem kompetenten Klangk&#246;rper formen, der seine St&#228;rken in der Moderne und klassischen Moderne, bei allem, das schwierig ist, auszuspielen vermag &#8211; und dann das! Mein Beileid.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Ein kr&#228;ftiges Lebenszeichen von der ersten Oper der Moderne</title>
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		<pubDate>Mon, 17 May 2010 21:55:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harbran</dc:creator>
				<category><![CDATA[Oper]]></category>
		<category><![CDATA[Berg]]></category>
		<category><![CDATA[Festwochen]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater/Wien]]></category>

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		<description><![CDATA[Alban Berg, f&#252;r den heuer &#8211; im Schatten des Genius Mahler &#8211; ein nur schemenhaft beachteter runder Geburts- und Todestag zu vermerken ist, ist  immerhin den Wiener Festwochen ein eigenes Fest f&#252;r Alban Berg wert: so kommen wir endlich wieder in den Genuss seiner Opern!
Hatte sein Lehrer Arnold Sch&#246;nberg sich noch verhalten gewundert, ob [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Alban Berg</strong>, f&#252;r den heuer &#8211; im Schatten des Genius Mahler &#8211; ein nur schemenhaft beachteter runder Geburts- und Todestag zu vermerken ist, ist  immerhin den <em>Wiener Festwochen</em> ein eigenes <em>Fest f&#252;r Alban Berg</em> wert: so kommen wir endlich wieder in den Genuss seiner Opern!</p>
<p>Hatte sein Lehrer Arnold Sch&#246;nberg sich noch verhalten gewundert, ob der &#8211; nicht mehr so junge &#8211; Sch&#252;ler dem Opernprojekt <em>Wozzeck</em> nach B&#252;chners lange Zeit f&#252;r schon am Theater unspielbar gehaltenem St&#252;ck gewachsen sei, so musste er nach Fertigstellung neidlos bekennen, daas hier einer ein neues Kapitel der Operngeschichte aufgeschlagen hatte: die Moderne. </p>
<p>Alban Berg ist jener &#252;berlebenswichtige Impuls zu verdanken, der sich in den Jahren bis zum ersten Weltkrieg in den Manierismen und Banalit&#228;ten etwa eines Puccini langsam totlaufenden Gattung einen Weg zu neuer Kraft gewiesen zu haben. Man h&#246;rt schon in den ersten Szenen, dass Oper grunds&#228;tzlich zu weitaus mehr imstande ist als blo&#223; ein paar Sch&#246;ns&#228;nger auf die B&#252;hne zu stellen.</p>
<p>Die Musik ist kompromisslos modern, und doch beruht sie auf einem Formenkanon, der von der mittelalterlichen bis in die klassische Periode reicht. Man h&#246;rt&#8217;s nur nicht, schon gar nicht vordergr&#252;ndig.</p>
<p>Die Geschichte ist &#8211; kurz gefasst &#8211; die des naiven <em>Franz Wozzeck</em>, der von aller Welt, und vor allem von seiner <em>Marie</em>, zum Narren gehalten wird, bis er in schierer Verzweiflung die Liebste umbringt.</p>
<p>Die anspruchsvolle Titelpartie erf&#252;llt der Wiener Bariton <strong>Georg Nigl</strong> nicht nur glaubw&#252;rdig mit Leben, er f&#252;hrt seinen <em>Wozzeck</em> in die lichten H&#246;hen des Fachs genauso wie in die klangvollen Tiefen der Partitur, meistert das Unterdr&#252;ckte des gepeinigten Au&#223;enseiters wie die Ausbr&#252;che seiner Verzweiflung.<br />
<span id="more-918"></span><br />
Neben ihm wirkt die <em>Marie</em> der Hamburgerin <strong>Angela Denoke</strong> trotz ein Wenig ins Heroinenhafte gehenden Tons nachgerade mager.</p>
<p>Pr&#228;sent und rollengem&#228;&#223; aufgeplustert dagegen <strong>Wolfgang Bankl</strong> als <em>Doktor</em> und <strong>Andreas Conrad</strong> als <em>Hauptmann</em>. </p>
<p>Von ganz anderem Kaliber ist da schon der l&#228;rmende und von guten Manieren g&#228;nzlich unbeleckte <em>Tambourmajor</em> des lange Jahre in Z&#252;rich engagierten deutschen Tenors <strong>Volker Vogel</strong>. Er macht in perfekter Verk&#246;rperung des umtriebigen Haudegens und Maulhelden transparent, wie absurd die ganze Geschichte doch ist: mit <em>so einem</em> l&#228;&#223;t die Marie sich ein? Kein Wunder, dass die Fassungslosigkeit Wozzecks zun&#228;chst hilflos an diese Undenkbarkeit brandet, daf&#252;r nachher umso donnernder sich entl&#228;dt.</p>
<p>Das restliche Ensemble, <strong>Eric Stoklossa</strong> als Freund <em>Andres</em>, die Handwerksburschen <strong>Tijl Faveyts</strong> und <strong>Christian Miedl</strong>, der <em>Narr</em> <strong>Hans Zednik</strong> sowie <strong>Magdalena Anna Hofmann</strong> als pikiert bigotte Nachbarin <em>Margaret</em>. </p>
<p>Ganbz und gar auf der H&#246;he der Berg&#8217;schen Partitur &#8211; wie auch zweifellos in seinem Geiste &#8211; musizierte das <strong>Mahler Chamber Orchestra</strong> unter dem souver&#228;nen <strong>Daniel Harding</strong>, der leider in Wien viel zu selten in Erscheinung tritt. Die ziselierten Klanggebilde Bergs ert&#246;nen ebenso kompetent wie die Prestissimi, lediglich in den Bl&#228;sern gibt es dann und wann Unsicherheiten.</p>
<p>So sehr die musikalische Umsetzung zu Lob und Zufriedenheit Anlass gibt, so wenig tut es die Inszenierung von <strong>Stéphane Braunschweig</strong>: die meiste Zeit &#252;ber hat man eher den Eindruck, einer konzertanten Auff&#252;hrung beizuwohnen, wo die S&#228;nger sich ein paar passende Fetzen und das eine oder andere hilfreiche Utensil mitgebracht haben. Entsprechend ist &#252;ber die Ausstattung von <strong>Thibault Vancraenenbroeck</strong> auch schon alles gesagt.</p>
<p>Insgesamt aber ein erhebender Opernabend, der einmal mehr zeigt, dass die spannenden Dinge zumeist nicht in der Staatsoper passieren.</p>
<p>Links: Kritiken in <a href="http://derstandard.at/1271376778886/Premiere-Opernstudie-existenzieller-Ohnmacht" class="listd">Standard</a> und <a href="http://diepresse.com/home/kultur/festwochen/565469/index.do" class="liexternal">Presse</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Berg" rel="nofollow" class="liwikipedia">Alban Berg</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wozzeck_%28Berg%29" rel="nofollow" class="liwikipedia">seine Oper</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Woyzeck" rel="nofollow" class="liwikipedia">B&#252;chners St&#252;ck Woyzeck</a> in der Wikipedia.</p>
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		<title>Ein H&#246;rereignis in szenischer Armut</title>
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		<pubDate>Fri, 07 May 2010 21:47:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harbran</dc:creator>
				<category><![CDATA[Oper]]></category>
		<category><![CDATA[Albioni]]></category>
		<category><![CDATA[Barockoper]]></category>
		<category><![CDATA[Kammeroper]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Welt der Barockoper ist &#252;berreich an St&#252;cken &#8211; es muss nicht immer H&#228;ndel sein. Gut: der Venezianer Tomaso Albinoni ist hier &#8211; bis auf einige Instrumentalwerke &#8211; weitestgehend unbekannt, hat aber etwa 80 Werke f&#252;r die Opernb&#252;hne verfasst.
Entsprechend zu danken ist es der Wiener Kammeroper, die sich regelm&#228;&#223;ig um wenig gespielte Werke annimmt, sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Welt der Barockoper ist &#252;berreich an St&#252;cken &#8211; es muss nicht immer H&#228;ndel sein. Gut: der Venezianer <strong>Tomaso Albinoni</strong> ist hier &#8211; bis auf einige Instrumentalwerke &#8211; weitestgehend unbekannt, hat aber etwa 80 Werke f&#252;r die Opernb&#252;hne verfasst.</p>
<p>Entsprechend zu danken ist es der Wiener <em>Kammeroper</em>, die sich regelm&#228;&#223;ig um wenig gespielte Werke annimmt, sich auch dieser Gelegenheit nicht verschlossen zu haben.</p>
<p>Albionis <em>Il Nascimento dell&#8217;Aurora</em> ist eine <em>festa pastorale</em>, eine im Barock nicht un&#252;bliche Darbietungsform ohne Handlung und Dramatik &#8211; was auf einen ausgepr&#228;gten Hang zum Pomp sowie hinreichend gegerbtes Sitzfleisch schlie&#223;en l&#228;sst.</p>
<p>Interessant der historische Hintergrund der Werkentstehung: mitten im Spanischen Erbfolgekrieg, in dem die Venezianer mit den &#214;sterreichern verb&#252;ndet waren, beschenkte Venedig die Habsburger in Wien mit eben jenem Opus: neben einer zeit&#252;blichen aufgebauschten Huldigung enthielt das St&#252;ck aber auch die dezidierte Aufforderung an Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenb&#252;ttel, die Frau Kaiser Karls VI, doch endlich den ersehnten m&#228;nnlichen Stammhalter zu geb&#228;ren &#8211; woraus bekanntlich nichts wurde, denn Karl musste das habsburgische L&#228;nderkonglomerat schlussendlich seiner Tochter <em>Maria Theresia</em> hinterlassen.</p>
<p>Weniger bemerkenswert ist die musikalische Seite: nette barocke Miniaturen, allerdings recht einf&#246;rmig, reihen sich aneinander &#8211; neben Handlungslosigkeit und ausufernder Dauer das dritte Problem, das eigentlich eine szenische Umsetzung &#8211; als <em>Oper</em> &#8211;  wenig geraten erscheinen l&#228;&#223;t. Man hat es allerdings dennoch unternommen, mit den erwartbaren Ergebnissen: eine sch&#246;n gesungene und musizierte Perlenreihe, die in ihrer kompositorischen Einf&#246;rmigkeit <em>gediegene Langeweile</em> verbreitet, stellt die Regie vor die im Grunde unl&#246;sbare Aufgabe, dem ganzen irgendeine Art von Leben einzuhauchen, da helfen auch ein paar putzige Ideen von Regisseurin <strong>Kristine Tornquist</strong> nichts.</p>
<p>Das Positive: der mittlerweile 82j&#228;hrige Eexperte f&#252;r Alte Musik <strong>René Clemecic</strong> und sein <strong>Clemencic Consort</strong> musizieren pr&#228;zise und streng, arbeiten die kontrapunktisch verschlungene und dennoch melodienreiche Komposition klar heraus.</p>
<p>Blendend gesungen sind die <em>Daphne</em> von <strong>Krisztina Jónás</strong> sowie die Rollen der Counterten&#246;re <strong>Gerhard Hafner</strong> (<em>Zeffiro</em>) und <strong>Armin Gramer</strong> (<em>Apollo</em>). Daneben klingt der <em>Peneo</em> von <strong>Wilhelm Spuller</strong> kratzig und inflexibel. Die Amerikanerin <strong>Solmaaz Adeli</strong> singt die <em>Flora</em> mit erfrischender Anmut.<br />
<span id="more-925"></span><br />
Die Kost&#252;me von <strong>Markus Kuscher</strong> sind barock inspiriert, jedoch allzu plakativ, die B&#252;hne von <strong>Duncan Hayler</strong> ist schlicht leer, was zwar den minimalen Budgets der Kammeroper geschuldet sein mag, aber dennoch den Eindruck der D&#252;rftigkeit nicht abzustreifen vermag.</p>
<p>So wenig das Werk f&#252;r die Opernb&#252;hne taugt, so sehr ist seine Wiederentdeckung und Einspielung als Bereicherung des Repertoires zu rechnen:<br />
<a href="http://spoudogeloion.harbran.at/wp-content/uploads/2010/05/albinoni_il-nascimento-dell-aurora.jpg" class="liimagelink"><img src="http://spoudogeloion.harbran.at/wp-content/uploads/2010/05/albinoni_il-nascimento-dell-aurora-300x300.jpg" alt="" title="Tomaso Albinoni - Il Nascimento dell&#039;Aurora - René Clemencic" width="300" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-926" /></a><br />
René Clemencic&#8217; Einspielung von <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000XCMGCU?ie=UTF8&#038;tag=bsccomm-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=B000XCMGCU" class="liamz">Il Nascimento Dell&#8217;Aurora</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=bsccomm-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B000XCMGCU" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> aus dem Jahr 2008 bietet hervorragendes Material zum H&#246;ren der komplexen Kompositionen Albinonis.</p>
<p>Damit h&#228;tt&#8217; man es eigentlich bewenden lassen k&#246;nnen.</p>
<p>Links: Kritiken in <a href="http://diepresse.com/home/kultur/klassik/klassikkritik/564255/index.do" class="liexternal">Presse</a>, <a href="http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3895&#038;Alias=wzo&#038;cob=492033" class="liexternal">Wiener Zeitung</a> und <a href="http://derstandard.at/1271376229340/Wiener-Kammeroper-Musiktheater-der-Fruchtbarkeit" class="listd">Standard</a> sowie auf dem <a href="http://www.tamino-klassikforum.at/thread.php?threadid=11965" class="liexternal">TAMINO-Klassikforum</a>, die <a href="http://www.wienerkammeroper.at/index.de.php" class="liexternal">Kammeroper im Netz</a>, die Homepage von <a href="http://www.clemencic.at/" class="liexternal">René Clemencic</a>.</p>
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		<title>Ms. Fleming gibt sich die Ehre</title>
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		<pubDate>Sat, 01 May 2010 22:44:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harbran</dc:creator>
				<category><![CDATA[Oper]]></category>
		<category><![CDATA[MET]]></category>
		<category><![CDATA[Rossini]]></category>

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		<description><![CDATA[Renée Fleming hat sich von der MET die Armida gew&#252;nscht: und sie hat sie bekommen &#8211; so weit, so gut.
Die Geschichte der Zauberin Armida und der Liebe des Ritters Rinaldo aus Torquato Tassos Gerusalemme liberata ist unz&#228;hlige Male vertont worden, eine typisch barocke Librettovorlage. Und in der Barockoper mit ihren aufw&#228;ndigen Verwicklungen und kaum nachzuvollziehenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Renée Fleming</strong> hat sich von der MET die <em>Armida</em> gew&#252;nscht: und sie hat sie bekommen &#8211; so weit, so gut.</p>
<p>Die Geschichte der Zauberin Armida und der Liebe des Ritters Rinaldo aus Torquato Tassos <em>Gerusalemme liberata</em> ist unz&#228;hlige Male vertont worden, eine typisch barocke Librettovorlage. Und in der Barockoper mit ihren aufw&#228;ndigen Verwicklungen und kaum nachzuvollziehenden Verkreuzungen und Verquerungen ist der Stoff auch durchaus tauglich. Wird aber versucht, daraus eine stringente moderne Opernhandlung zu destillieren, bleibt eben destilliertes Wasser: da ist nichts, keine Handlung, keine Entwicklung, keine Geschichte. Rindaldo verliebt sich in Armida, die ihn bezaubert und entf&#252;hrt, seine ritterlichen Freunde holen ihn da wieder raus. Und aus.</p>
<p>Das Libretto zur <em>Armida</em> von <strong>Gioachino Rossini</strong> ist eines der &#228;rmsten der Operngeschichte. Umgekehrt ist die Titelpartie reine der anspruchsvollsten Rollen f&#252;r Sopran im Belcanto &#8211; und nicht umsonst hat auch Maria Callas damit brilliert. Vielleicht ist es das Schielen auf deren ungebrochene Popularit&#228;t, die Frau Fleming antreibt.</p>
<p>Eine Oper ist das Ganze allerdings nicht: der erste Akt eiert um die Krieuzritter vor Jerusalem und kann sich nicht und nicht zu einem Beginn der Handlung entschliessen, ehe endlich Armida auftaucht, nur um weitere endlose Zeremonien zu inspirieren; der gesamte zweite Akt hat keinerlei Funktion, er besteht aus einem Duett, einer Arie der Armida und einer endlos langen, recht mopsigen Ballettpantomime; der dritte Akt liefert zu musikalisch h&#252;bschem Material die ph&#228;nomenale Entwicklung, dass Rinaldo von seinen Freunden an die Pflicht erinnert wird und mit ihnen abgeht, was Armida in Rage treibt.</p>
<p>Im Fall der MET muss man sogar sagen: schlechter als die Inszenierung war nur noch das St&#252;ck. Daraus kann man vermutlich nichts Gescheites machen, schon gar, wenn man partout darauf besteht, eine strichlose Fassung zu spielen. Diese Armida ist aber ein Werk, dem Striche von etwa einem Drittel L&#228;nge dringend not tun. Die Charakteristika der <em>opera seria</em> sehen leider vor, dass alles mehrfach wiederholt wird, was aber die Musik Rossinis &#8211; im Gegensatz zu H&#228;ndel &#8211; nicht wirklich aush&#228;lt.</p>
<p>Und es braucht einen Regisseur, der eine Geschichte zu erz&#228;hlen versteht, wo im Grunde keine ist. <strong>Mary Zimmerman</strong>, die <a href="http://spoudogeloion.harbran.at/mit-traumwandlerischer-sicherheit/" class="lispou">bei der Sonnambula gro&#223;artig inszenierte</a>, hat leider gar nichts unternommen, die Schw&#228;chen des St&#252;cks zu kaschieren, seine qu&#228;lende Langathmigkeit zu lindern oder auch nur f&#252;r etwas Spass zu sorgen. Ihre Interpretation bewegt sich auf dem Niveau einer <em>Zauberfl&#246;te f&#252;r Kinder</em>.</p>
<p>Gleichzeitig dr&#228;ngt die Inszenierung bisweilen ins Pomp&#246;se, wozu aber Rossini die Musik nicht geschrieben hat &#8211; diese Gesten wirken dann schal. Gute Momente hat Frau Zimmerman, wenn sie ironisch wird und mit feiner Klinge das ganze Zauberspiel ins L&#228;cherliche driften l&#228;sst &#8211; da scheint mir etwas Aufregung wie bei der Umsetzung von <a href="http://www.monstersandcritics.de/artikel/200915/article_132377.php/Kein-Skandal-Calixto-Bieito-inszeniert-Armida" class="liexternal">Calixto Bieito in Berlin</a> durchaus erstrebenswerter.</p>
<p><strong>Renée Fleming</strong> singt ihre Armida etwas zur&#252;ckhaltend &#8211; noch immer, was bei ihr sonst nur in den ersten Auff&#252;hrungen neuer Rollen zu sein pflegt &#8211; und nimmt damit der Rolle die Grandezza und Bravour &#8211; mit dem Heranreichen an die Callas wird&#8217;s damit wohl eher nichts: in die lichten H&#246;hen zum <em>es</em> kommt sie ihr nicht nach. Dennoch: das intensive Duett im zweiten Akt und die Arien <em>D&#8217;amor al dolce impero</em> gleich danach sowie <em>Dove son?</em> im Finale des dritten zeigen ihre Meisterschaft. Ihre Performance reicht allerdings doch nicht an die der <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B002T0AE32?ie=UTF8&#038;tag=bsccomm-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=B002T0AE32" class="liamz">Live-Einspielung vom Rossini-Festival in Pessaro</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=bsccomm-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B002T0AE32" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> heran:<br />
<a href="http://spoudogeloion.harbran.at/wp-content/uploads/2010/05/rossini_armida.jpg" class="liimagelink"><img src="http://spoudogeloion.harbran.at/wp-content/uploads/2010/05/rossini_armida-300x300.jpg" alt="" title="Gioachino Rossini - Armida" width="300" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-912" /></a><br />
Ihr zur Seite ein strahlender <strong>Lawrence Brownlee</strong> als Rinaldo, der die Koloraturen und vor allem die H&#246;hen des Rossini-Stils glanzvoll meistert, dessen Stimme aber bisweilen nicht ganz &#252;ber die weiten B&#246;gen zu tragen scheint.</p>
<p>Die Oper ist ja auch verschrien f&#252;r ihren Bedarf an Ten&#246;ren: gleich sechs Herren dieser Tonlage hat Rossini der einzigen Frau zur Seite gestellt. <strong>John Osborne</strong> singt den Goffredo sonor und &#252;berzeugend, <strong>José Manuel Zapata</strong> den Gernando, <strong>Yeghishe Manucharyan</strong> seinen Bruder Eustazio &#8211; allesamt mehr als passabel. Die beiden Ritter Carlo &#8211; <strong>Barry Banks</strong> &#8211; und Ubaldo &#8211; <strong>Kobie van Rensburg</strong> &#8211; gl&#228;nzen im Terzett <em>Unitevi a gara</em> mit Rinaldo zu Beginn des dritten Akts: wahrlich ein H&#246;rgenuss!</p>
<p>Wie &#252;berhaupt diese ganze Armida weniger f&#252;r die B&#252;hne als zum genussvollen H&#246;ren taugt. Die schlechte Konstruktion als St&#252;ck w&#228;chst sich in einer banalen Inszenierung zu einem veritablen Desaster aus. Wiewohl jede Note von Rossini ihren Wert hat, m&#252;sste f&#252;r die B&#252;hne radikal gek&#252;rzt werden! Das ist dem musikalischen Leiter, dem Italiener <strong>Riccardo Frizza</strong>, anzulasten, einem ausgewiesenen Rossini-Kenner, der hier an der MET ein eher legeres Dirigat abliefert.</p>
<p>Links: Kritik der <a href="http://www.nytimes.com/2010/04/14/arts/music/14armida.html" class="liexternal">New York Times Music Review</a>, Homepage <a href="http://www.renee-fleming.com/" class="liexternal">Renée Fleming</a>, MET <a href="http://www.metoperafamily.org/metopera/broadcast/hd_events_current.aspx" class="liexternal">Live in HD</a> und <a href="http://www.cineplexx-opera.at/" class="liexternal">Cineplexx-Opera</a>.</p>
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		<title>Abwesender Jupiter &#8211; composers remix</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Apr 2010 22:38:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harbran</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Händel]]></category>
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		<category><![CDATA[Theater/Wien]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Meister hat bei sich selber abgeschrieben: zu jener Zeit war&#8217;s aber noch gang und g&#228;be, neue Opern in Gestalt von Pasticci einfach aus den Highlights anderer Werke zusammen zu stellen &#8211; was f&#252;r die S&#228;nger den Vorteil hatte, dass sie mit ihnen bekannten St&#252;cken brillieren konnten, und die H&#246;rer mit bereits bekannten Highlights versorgte; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Meister hat bei sich selber abgeschrieben: zu jener Zeit war&#8217;s aber noch gang und g&#228;be, neue Opern in Gestalt von Pasticci einfach aus den Highlights anderer Werke zusammen zu stellen &#8211; was f&#252;r die S&#228;nger den Vorteil hatte, dass sie mit ihnen bekannten St&#252;cken brillieren konnten, und die H&#246;rer mit bereits bekannten Highlights versorgte; man muss ja nicht vergessen, dass es dazumal keine Tontr&#228;ger gab.</p>
<p>Da <strong>Georg Friedrich H&#228;ndel</strong> sich aber &#8211; bis auf zwei Arien von <strong>Francesco Araja</strong> &#8211; f&#252;r seinen <em>Giove in Argo</em> ausschliesslich an Eigenem bediente, namentlich an den Opern <em>Alcina, Faramondo, Giustino, Il pastor fido, Imeneo, Il parnasso in festo</em> und der Serenata <em>Acis and Galathea</em>, kann man ihm das auch aus heutiger Perspektive durchgehen lassen.</p>
<p>Der Erfolg von H&#228;ndels Opernunternehmen in London war in dieser Zeit bereits deutlich abgek&#252;hlt, mit der Form des grossen Oratoriums hatte der Komponist bereits andere Akzente gesetzt und das Publikum aufs Neue zu begeistern vermocht. Deswegen wohl auch beinhaltet <em>Giove in Argo</em> f&#252;r H&#228;ndelopern ungewohnt viele Chors&#228;tze, die auch jene Passagen darstellen, die der Komponist neu schrieb. </p>
<p>Irgendwie scheint es im Libretto um Jupiter/Zeus zu gehen, jedenfalls dessen Geliebte Isis und Kallisto, denn der G&#246;ttermeister selbst ist im ganzen St&#252;ck abwesend. Des Weiteren sind aber die ganz und gar barocken Verwicklungen nicht der Rede wert.</p>
<p>Der ausgewiesene Originalklang- und H&#228;ndel-Spezialist <strong>Alan Curtis</strong> bringt dieses Best-Of des alten Sachsen mit seinem Ensemble <strong>Il complesso barocco</strong> &#252;beraus pr&#228;zise und selbst in den vielen Dynamikwechseln &#228;usserst diszipliniert zu Geh&#246;r. Der fein gesponnene Klang schwebt gewissermassen &#252;ber Ensemble und S&#228;ngern. </p>
<p>Mitgebracht hat Alan Curtis eine Riege von 3 begnadeten S&#228;ngerinnen und 3 reinen M&#228;nnerstimmen, denn H&#228;ndel hat in diesem Werk bereits auf die so typisch italienischen Hosenrollen und Kastraten verzichtet. Ergo singt die Schwedin <strong>Ann Hallenberg</strong> &#8211; von mir schon <a href="http://spoudogeloion.harbran.at/?s=hallenberg" class="lispou">mehrfach gelobt</a> &#8211; die Iside, die Kanadierin <strong>Karina Gauvin</strong> &#8211; angek&#252;ndigt als Star des Abends &#8211; die Calisto.</p>
<p>Freilich sang Karina Gauvin die an Koloraturen reichen Arien mit Brillianz, allein die ausdruckst&#228;rkere Ann Hallenberg wusste sich besser in Szene zu setzen. Und die Griechin <strong>Theodora Baka</strong> sang eine Diana, die mir deutlich besser noch als alles andere gefiel.</p>
<p>Die Herren <strong>Anicio Zorzi Giustiniani</strong> &#8211; Arete -, <strong>Vito Priante</strong> &#8211; Erasto &#8211; und <strong>Johannes Weisser</strong> &#8211; Licaone &#8211; standen demgegen&#252;ber etwas im Schatten, wie wohl sie ihre Partien exzellent meisterten.</p>
<p>Leider ist nirgendwo dokumentiert, wer die beiden zus&#228;tzlichen S&#228;nger waren, die das Sextett zum Chor erweitern halfen: denn der Schlusschor des zweiten Aktes <em>Viver e non amar</em> ist eine faszinierende vielstimmige Komposition, die ich als das eigentliche Highlight des Werks betrachten m&#246;chte.</p>
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