Schau an, die gibt es auch noch

Nachdem ich die Manon letzte Woche krankheitsbedingt verpasst habe – der Schaden hält sich allerdings in Grenzen, ich kann mit der französischen Oper des 19. Jahrhunderts sowieso nur wenig anfangen – überträgt die MET diesmal den Gassenhauer La Traviata von Giuseppe Verdi Live in HD. Dummerweise ist es die inzwischen schon angejahrte Salzburger Festwochen-Inszenierung von Willy Decker… Sie ist nun scheinbar auch in der Neuen Welt angekommen. Schön, aber ich kenn’ sie schon: von mehreren Wiederholungen und von Konserve. abgesehen dass die Traviata insgesamt eine – wohlklingende – Seuche ist.

Immerhin wird die Violetta diesmal von Natalie Dessay gesungen, was eine völlig andere Rollenkonzeption ergibt: nimmt man Anna Netrebko die jugendliche Lebefrau ab, gelingt Natalie Dessay bei weitem besser, die verletzliche, bereits zum Tode kranke, verzweifelnde Liebende darzustellen, und zwar nicht nur darstellerisch – das ist sowieso noch nie die besondere Domäne der Annissima gewesen – sondern auch in zerbrechlichen Gesang. Leider patzt sie im ersten Akt bei den Höhen, sympathisch ist aber, dass sie das im Pauseninterview selbst anspricht und sich entschuldigt. Sie ist vermutlich die am wenigsten abgehobene Diva der heutigen Opernbühne.

Weniger profiliert ihr Gegenüber Matthew Polenziani als Alfredo, profund dafür Dmitri Hvorostovsky als Vater Germont.

Der neue Principal Conductor der MET Fabio Luisi interpretiert seinen Verdi souverän, wenn auch nicht extra inspiriert. Es gibt langweiligeres, aber auch eine ganze Menge Dinge, die mir lieber sind.

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