Missglückte Exhumierung einer Opernmumie

Die Neue Oper Wien hat es sich zur Aufgabe gestellt, Werke des zeitgenössischen Opernschaffens aufzuführen und Höhepunkte aus dessem frühen Repertoire wieder zu beleben – was ja durchaus lobenswert ist und die Chance bietet, in Vergessenheit geratene Werke neu kennen zu lernen.

Einerseits ist Gottfried von Einem zweifellos ein wichtiger Komponist der österreichischen Nachkriegsmusik. Andererseits ist seine Oper Danton’s Tod – der große Durchbruch des Komponisten bei den Salzburger Festspielen 1948 – nicht mehr als ein sehr, sehr frühes Regen des Modernen nach der vollkommenen Abschaffung der Gegenwart unter den Nazis.

Die Musiksprache bleibt hoffnungslos hinter dem vorm Krieg bereits erreichten zurück, von den Verwerfungen der Fünfziger Jahre ist auch noch nichts, noch nicht einmal ein unterirdisches Zittern, zu spüren. Mag sein, dass man das 1948 angesichts des Totalschadens, in den die freudige Akklamation des Nazismus und seiner rückwärtsgewandten Kulturpolitik schlussendlich führte, für großartig halten mochte. Aus heutiger Perspektive ist es ein Werkchen ohne Bedeutung ausserhalb des biografischen Zusammenhangs seines Herstellers.

Musiziert haben das hörbar unterforderte amadeus ensemble wien und der in Momenten sogar großartige Wiener Kammerchor unter der Leitung von Walter Kobéra.

Gesungen haben Matthias Hausmann den Danton, Markus Miesenberger den Desmoulins, Gernot Heinrich den Hérault de Séchelles, eine hervorragende Jennifer Davison die Lucille – sowie die Dame zu Anfang – und Anna Clare Hauf die Julie – sowie gleichfalls in Doppelfunktion ein Weib. Ferner Alexander Kaimbacher den Robespierre und Robert Bergmann den Saint-Just.

Das Ganze war auch nicht eben geistreich inszeniert vom Südafrikaner Leonard Prinsloo, die Bühne von Gabriele Atti stark reduziert, was ja nicht grundsätzlich ein Schaden ist, jedoch die Ausstattung – von der aus Leoben gebürtigen Devi Saha – ein stilistisches Durcheinander.

Am besten waren sicherlich die Chorpassagen, von Michael Grohotolsky bestens einstudiert.

Zum Schluss bleibt der Eindruck: man hätte diese Mumie von Stück nicht zwingend exhumieren müssen. Oder gelten hier auch die gleichen Ansätze, die dem Denkmalschutz ein Wartehäuschen aus fragwürdigen Zeiten oder das Führer-Zimmer so besonders schützenswert erscheinen lassen? Pricipia, non homines. Muss aber eigentlich nicht sein, oder?

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