30 Jahre äußerste Präzision

Das Hagen Quartett feiert heuer sein dreißigjähriges Bestehen. Das ist den Hagens einerseits eine weitere CD namens ’30’ wert, andererseits sind sie, wie in fast allen Jahren ihres Bestehens, auf Tournee.

Hagen Quartett - 30 - Mozart, Beethoven, Webern

Seit dem Ausstieg einer Schwester besteht das einstige hundertprozentige Familien-Quartett aus Lukas Hagen, Violine, Rainer Schmidt, Violine,Veronika Hagen, Viola und Clemens Hagen, Violoncello.

Heute machen die Salzburger im Mozartsaal im Konzerthaus Station und präsentieren ein Programm aus Wiener Klassik und – wie gewohnt – einem Werk der Neuen Musik.

Das Streichquartett Es-Dur KV 421b von Wolfgang Amadé Mozart ist quasi ein Heimspiel, haben die Hagens doch längst eine Gesamteinspielung sämtlicher Streichquartette vorgelegt, die übrigens gegenwärtig zu einigermaßen günstigem Preis erhältlich ist:

Hagen Quartett - Mozart - Gesamteinspielung 1-23

In seiner eindringlichen Klanggestalt fordert das aktuelle Streichquartett Nr. 6 von Georg Friedrich Haas die Hörgewohnheiten heraus. Haas ist ein Meister der mikrotonalen, farblich gefächerten Musik. Sein Quartett lotet die Chromatik in winzigen Schritten aus und breitet einen klanglichen Fächer aus, der weit von einem beliebigen Teppich der Klangmalerei entfernt ist, analytisches Hören erfordert. Insoferne wahrlich nicht eben optimal platziert zwischen einem eingängigen Mozart und dem auf seine Art zukunftsweisenden späten Beethoven – zumindest für das typische Wiener Publikum.

Mit dem Streichquartett cis-moll op.131 aus den letzten Jahren des schon ertaubten Ludwig van Beethoven schließt der Abend in geradezu triumphaler Weise ab: die späten Quartette Beethovens existieren in einer eigenen Sphäre der abendländischen Musik. Mehr ist dazu nicht zu sagen – man kann sie nicht oft genug hören. Der Interpretation der Hagens fehlt jedes unpassend Weiche, das speziell bei den Interpretationen etwa des Leipziger Streichquartetts irritiert. Die vom Komponisten durchaus beabsichtigte Überschreitung der zeitgenössischen Harmonik darf, ja muss hier zu Tage treten, das macht ja gerade den besonderen Reiz dieser Quartette aus.

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