Der Counter als glanzvoller Star

Eins der besonders erfolgreichen Werke aus Händels erstem London-Engagement – Ottone, Re di Germania – fädelt Perlen der Sangeskunst aneinander, und bei manchem denkt man, das hat man bereits gehört… Vieles hat Händel in seinen Werken von sich selbst wieder entliehen, und so kommt es, dass auch der Ottone stellenweise wie abgeschrieben klingt – was seine Qualitäten aber nicht mindert. Immerhin sind die anderen die Kopien.

Die löbliche Reihe Oper konzertant im Theater an der Wien brachte diesmal das renommierte britische Originalklang-Ensemble King’s Consort unter seinem Gründer und Leiter Robert King nach Wien.

Ihr Händel klingt luzide, die feinen Linien seiner Musik sind plastisch und auch im piano noch detailliert zu hören. Die Freude am Musizieren und an eben dieser Musik ist duchgängig spürbar und überträgt sich – insbesondere über den auch körperlich mitlebenden Dirigenten – auf die Zuhörer.

Aus dem gut besetzten Sängerensemble ragt weit über alle der englische Countertenor Iestyn Davies heraus – der schon in Händels Tolomeo am gleichen Ort für Begeisterung sorgte. Er ist einer jener Countertenöre, denen man trotz Stimmlage geneigt ist, den Helden abzunehmen: da ist viel Volumen, nicht nur die Höhen, auch die unteren Lagen seines Registers kommen brilliant und volltönend.

Deutlich piepsiger dagegen Robin Blaze, dessen Adalberto hier zar wie der librettogemäß verzogene Sohn klingt, aber neben dem Ottone von Iestyn Davies deutlich blasser.

Die Riege der Damen wird angeführt von Ottones Braut Teofane – die maltesische Sopranistin Claude Debono meisterte mit jugendlicher Leichtigkeit die Schwierigkeiten und Glanzlichter der Partie. Wollte sie eingangs noch etwas schrill anmuten, so rundete sich ihre Darbietung zu den großen Arien im zweiten und dritten Akt hin merklich, sodass sie ihre Höhepunkte glanzvoll abzuliefern verstand.

Mit der Waliserin Hilary Summers als Mathilda und Mhairi Lawson als Gismonda standen ihr zwei barock- und händel-erfahrene Sängerinnen zur Seite oder vielmehr handlungsmäßig gegenüber. Hörbar lauter und mit starker Präsenz und Fülle sang Andrew Foster-Williams den Emireno.

Dieser Abend ist neuerlich als Beweis dafür anzusehen, dass originalgetreues Musizieren in Alter Musik und Barock heute nicht mehr wegzudenken ist – was ja auch die Staatsoper bewies, als sie am Sonntag ihren fulminanten Erfolg feierte…

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