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Haydn Vol. 1

Zum Haydn-Jahr gibt’s natürlich längst die – inzwischen bei solchen Jubiläen übliche – umfangreiche Edition:

haydn_vol1

Bemerkenswert an dieser Sammlung ist nicht nur, dass 150 CDs bei weitem nicht ausreichen, das Oeuvre des pannonischen Meisters zu präsentieren, sondern auch, dass etliche Bereiche gar nicht so in passablen Aufnahmen vorhanden waren:

Die überwiegende Mehrzahl der Werke fürs Baryton wurde extra für diese Edition eingespielt: die heute 20 CDs umfassende Sammlung aller Stücke in wechselnden Besetzungen mit Baryton allein ist wohl schon die Ausgabe wert.

Hinzu kommt eine der raren Einspielungen des Oratoriums Il ritorno di Tobia, das Haydn 1775 komponierte.

Natürlich darf die komplette Einspielung aller Symphonien, der sich Adam Fischer in vielen Jahren gewidmet hat, hier nicht fehlen. Mit durchgend demselben Orchester, dem Österreich-ungarischen Haydn-Orchester, ist ihm eine einheitliche, auf die Musizierpraxis zu Haydns Zeit abgestimmte Gesamtaufnahme gelungen, in der auch die ansonsten weniger gespielten, wie auch die frühen, Symphonien zu ihrem Recht kommen. Denn vieles davon ist gerade in der Verfolgung der Entwicklungslinien, welche der Symphonik durch Haydn aufgeprägt wurden, sodass erst die klassische Symphonie entstehen konnte, essentiell – wenn es auch für sich nicht immer Alleinstellung beanspruchen darf.

Gerade in der umfänglichen Darstellung eines Gesamtwerks läßt sich anhand eines biografischen Leitfadens oder verschiedener Gattungsgeschichten bei Haydn aus dem Vollen schöpfen: die Gleichzeitigkeit wichtiger Entwicklungen, an denen der Hofkompositeur des Fürsten Eszterházy teilnahme, ja die er höchstselbst prägte, die teils sogar auf seine Erfindungsgabe zurückzuführen sind, ist hier an einem Ort konzentriert. Natürlich gibt es bessere Deutungen einzelner Werke, die Pariser Symphonien unter Harnoncourt etwa:

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Das komplette Werk zu haben ist aber sowohl bei den Symphonien als auch bei den Streichqartetten ein Wert an sich, der über interpretatorische Fragen hinausgeht. Die Streichqartette etwa sind in dieser Box mit dem Buchberger Quartett bestenfalls brav besetzt.

Die Gesamteinspielungen der Schottischen und Wallisischen Lieder brauchen Raum in der Box, gehören aber rein gar nicht zu meinen Favoriten. Umgekehrt fehlen leider die meisten Opern – wobei etliche Werke auch gar nicht auf uns gekommen sind, was zum Teil einem verheerenden Brand des Opernhauses auf Schloss Eszterháza 1779 geschuldet ist, dem neben wertvollen Instrumenten die für uns wohl noch wertvolleren Autographen vieler Haydn’scher Werke zum Opfer fielen.

Man darf gespannt sein, ob, wann und mit welchem Inhalte ein Vol. 2 erscheint…

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