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Junge Quartettkunst

Das Pavel Haas Quartett gehört zu jenen – noch relativ – jungen Formationen, die rasch von sich reden machten. In erster Linie dankt sich das der Pflege eines nicht ganz alltäglichen Repertoires: da finden sich vor allem Einspielungen des namengebenden tschechischen Komponisten Pavel Haas, der 1944 von den Nazis in Auschwitz ermordet wurde.

Im Konzert im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses brachten die 4 in Prag ansässigen Musiker heute abend Quartette von Joseph Haydn, Dmitri Shostakovich und Maurice Ravel.

Haydn’s Quartett d-moll Hob. III/76 – das Quintenquartett von 1797 – spielten

  • Veronika Jarůškova – erste Violine
  • Eva Karová – zweite Violine
  • Pavel Nikl – Bratsche
  • Peter Jarůšek – Cello

quasi zum Aufwärmen flüssig und ohne lästigen Schmelz.

Richtig zur Form liefen sie jedoch erst bei Shostakovich auf: das 10. Quartett As-Dur op. 118 bietet sowohl dem harmoniesüchtigen Ohr als auch den virtuosen Fingern der Instrumentalisten einiges an Stoff. Im Jahr 1964 war Shostakovich hörbar vom Albdruck Stalins befreit und noch nicht von dauernder Krankheit geplagt. Hier wurde auf höchstem Niveau musiziert, die raschen Läufe auch im dauernden Wechsel der Spieltechnik flüssig genommen, dabei mit reinem Klang auch in der Übergängen der melodischen in die dissonanten Passagen.

Auch beim nicht eben einfachen Streichquartett F-Dur aus 1902-1903 von Maurice Ravel brillierten sie mit präzisem, aber niemals vordergründig technischem Spiel. Ich bin nach – leider nur einmaligen – Hören überzeugt, dass diese Aufführung meine Aufnahmen vom Cleveland oder Kodaly Quartet klar übertroffen hat.

Als Zugabe dann eine exquisite Pièce von Benjamin Britten zu spielen, passte nicht nur ins Programm sondern war in Anbetracht der Zugaben anderer Quartette eine nachgerade geniale Idee.

Endlich einmal wieder ein Abend, der lückenlos zufrieden stimmte.

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