Ein Fest der Countertenöre

Man stelle sich vor: Max Emanuel Cencic und Philippe Jaroussky auf einer Bühne – das ist an sich schon eine kleine Sensation und ein Gustostückerl für Freunde der Barockoper, denn direkter vergleichen kann man wohl nicht… Wenn dann aber noch drei weitere Countertenöre dazu kommen – der Argentinier Franco Fagioli, der junge Rumäne Valer Barna-Sabadus und der Ukrainer Yuriy Mynenko – kann man getrost von einem Fest der Countertenöre sprechen!

Anlass dieser ebenso hochkarätigen wie außergewöhnlichen Zusammenkunft ist die konzertante Aufführung der Oper Artaserse von Leonardo Vinco im Theater an der Wien, und diese wieder ist eine Folge der viel beachteten CD-Einspielung des Werks in exakt derselben Besetzung unter der musikalischen Leitung von Diego Fasolis.

Die Besetzung mit 5 Countertenören ist der reichlich absurden Aversion der römischen Kurie gegen Frauen auf der Bühne, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch voll in Geltung stand. neben der im Barock durchaus üblichen Setzung von Helden auf Kastratendstimmen mussten in Werken für römische Aufführungen auch alle weiblichen Rollen mit Kastraten besetzt werden, was im Falle der recht wirren Geschichte um die Liebschaften des Perserkönigs zu einer Situation, die für heutige Verhältnisse nahezu luxuriös anmutet. Einfach zu besetzen wird diese Oper auch anno dazumal nicht gewesen sein.

Auf der einen Seite ermöglicht diese Aufführung direktes Vergleichen etablierter und junger Stimmen, und das ganze anhand eines musikalischen Materials, das absolut auf der Höhe der Zeit komponiert wurde. Etliche der Arien gehören zum besten, das im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts geschrieben wurde. Auf der anderen Seite beginnt man sich spätestens im dritten Akt auch nach einer echten Frauenstimme zu sehnen – so gut die fünf Countertenöre auch sind…

Frappant ist, wie klein die Unterschiede zwischen den etablierten und den jungen Stimmen doch sind. Was die Stars Cencic und Jaroussky an Sicherheit und Versiertheit ausstrahlen, machen die Jungen mit Frische und maximalem Einsatz wett. Das nahezu sportive Antreten der Sänger gegeneinander befruchtet und befördert höchste Leistungen. Es wäre ziemlich schwer und vor allem ausgesprochen ungerecht, hier noch eine Reihung vornehmen zu wollen. In Unkenntnis der Personen wäre es recht schwer geworden, Präferenzen zu entwickeln.

Dieses Gustostück der Barockoper erblüht in atemberaubender Ensembleleistung – und da ist gerade auch Tenor Daniel Behle hervorzuheben, dessen im Vergleich geradezu dunkles Timbre für wohltuende Grundierung sorgt.

Concerto Köln liefert eine präzise, reichlich strukturierte und fein gearbeitete Interpretation, die exakt wie von CD zu klingen scheint. Und diese sensationelle Gesamtaufnahme ist eine eindeutige Empfehlung:

Von Valer Barna-Sabadus gibt es seit einiger Zeit auch eine CD mit herrlichen Arien aus Opern von Johann Adolph Hasse:

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