Muss nicht sein

Ein deutscher Dirigent nimmt sich eines hierzulande wenig bemerkten französischen Komponisten an – manchmal kann so etwas zu erstaunlichen Erkenntnissen führen. Nicht so bei frühen Werken von Charles Koechlin: seine Orchesterlieder von knapp vor der Wende zum Zwanzigsten Jahrhundert gehören in die große Kategorie jener Werke, ohne die man getrost das Auslangen finden kann. Selbst wenn die großartige Juliane Banse sie singt; auch sie ist verloren in dieser akkumulierten Belanglosigkeit.

Ihr Mann Christoph Poppen dirigiert die Wiener Symphoniker durch eine ganz und gar matte erste Hälfte, die eingeleitet wird durch die Hebriden-Ouvertüre von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Ein schönes Stück Gebrauchsmusik, ganz und gar romantisch, mit dem man wenig falsch machen kann – aber auch keinen Blumentopf gewinnt.

Immerhin glänzt das Orchester in der abschließenden achten Symphonie G-Dur von Antonin Dvorák: ebenfalls 1889 vollendet, ist sie zumindest kompromisslos und ehrlich traditionell. Anstatt aber in der ausgelaufenen Romantik zu erstarren, findet Dvorák in dieser achten und der folgenden neunten zu einem personalen Stil, in dem er die formalen Konstruktionsprinzipien der klassischen Symphonik hinter sich lässt zugunsten intensiver melodischer Arbeit. Immerhin hat Dvorák ein Idiom gefunden, während Koechlin Zeit seines Lebens orientierungslos blieb.

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