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Fröhliche Dritte

Von harbran am 23. Mai 2007

Wer zu spät kommt, nun: den bestraft irgendwer oder irgendwas. Zum mindesten die Absenz. Meinesfalls bei verspätete Ankunft im Großen Musikvereinssaal durch Versäumnis der ‘Wesendonck-Lieder‘. Ich bin zwar sonst kein ausgeprägter Freund von Richard Wagner, doch die fünf hübschen Lieder zu Gedichtchen der Mathilde Wesendonck, die Wagnern überdies beständig monetär aushelfen durfte, sind ganz erträglich und vollkommen un-schwer.

Gehört habe ich dann die Dritte Symphonie von Bruckner, interpretiert von Roger Norrington und dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart. Relativ selten gespielt die diesmal gebotene Version: die Originalfassung von 1873 – bei weitem nicht die meistgespielte. Aber immerhin die lange Version, ohne die einschneidenden Kürzungen der zweiten Fassung. Hier werkt Bruckner sozusagen in Zeitlupe und ausgebreitet vor dem Hörer an allen Details – nach allen Regeln der kompositorischen Kunst. weiterlesen »


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Crooning with Biondi

Von harbran am 22. Mai 2007

Es gibt Sizilianer, die beschäftigen sich mit Verbrechen und schreiben Krimis. Auch soll es welche geben, die es mehr mit den Orangen und Zitrusfrüchten halten. Passable Musik machen auch etliche. Dieser hier swingt erstklassig: Mario Biondi, begleitet von den besten Jazzern Italiens, dem High Five Quintet.

Wenn man unter einem (noch dazu italienischen) Crooner vielleicht früher so etwas wie Dean Martin oder Perry Como verstanden hätte, sei man hiermit eines besseren belehrt: der Mann hat eine phantastische Stimme. Es tut dem Genuss dabei nicht mal Abbruch, dass er in Italien grad auf Nummer 1 der Pop-Charts steht. Gute Musik darf auch Erfolg haben.

Biondi

Die aktuelle Einspielung Handful of Soul enthält auch die Hitsingle ‘This Is What You Are’, ist aber ansonsten weniger gefährlich: die CD enthält garantiert keine einzige schwache Nummer!


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Grundlagen des spoudogeloion 1

Von harbran am 21. Mai 2007

Im griechisch dominierten Syrien des 3. Jahrhunderts v.u.Z. entsteht das spoudogeloion als literarische Gattung: in direkter Übersetzung könnte man die Schriften ‘scherzernst‘ nennen. Denn der Begriff der ursprünglich römischen Satire trifft keineswegs den Kern der Sache. Das spoudogeloion ist eine poetologisch viel freiere Form, die in den menippeischen Urwerken der Gattung vorherrschende Mischung aus Versen und Prosa ist in den hellenistischen Nachfolgern weniger stark ausgeprägt.

Insbesondere Lukian von Samosata (im 2. Jahrhundert v.u.Z.) hat mit den Hetärengesprächen, aber auch mit dem Symposion Meisterwerke der Gattung hinterlassen. weiterlesen »


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Das ‘Datum’ zum Monat

Von harbran am 20. Mai 2007

Man hat schon lang keinen so gewagten Versuch mehr gesehen – wie wohl er seit etlichen Jahren unverdrossen Monat für Monat gemacht wird – wie die Herausgabe einer textlastigen Zeitschrift, die ein Magazin zun nennen man sich kaum getraut.

Datum

Die Zeitschrift Datum exerziert auch in Österreich vor, was sonst nur besonders erlesene Schwesterblätter zustande bringen:

Mit einem Zugang ohne Arroganz und Insidersprache, in der Tradition des angelsächsischen Journalismus, wie ihn der New Yorker, das New York Times Magazine, der Atlantic Monthly oder, im deutschsprachigen Raum, Die Zeit oder Die Weltwoche pflegen.

Das ist, was die Amerikaner unter den Vorbildern betrifft, recht hoch gegriffen – die deutschen Ideale stehen da auf anderem Terrain: bedeutungsschwer: ja, besonders tief gedacht: weniger. So auch das österreichische Datum: es ist halt doch ein Stück wegs von der Vorlage zur Auflage. Aber immerhin ein wohltuend anderes Beispiel. Lesenswert.

Das Interview mit Alexander Wrabetz ist weniger erhellend. Manche der Fragen sind schlichtweg blöd und andere zeugen von wenig Kenntnis der Materie. Da fragt halt einer ins Blaue, hat man den Eindruck. Der andre antwortet, als wär’ alles eh nur ein Spassettl.

Das Thema ‘Berufsheer in Österreich’ dagegen ist am Anfang des Lesens so notwendig wie dem Wrabetz seine Reform, aber mit beissendem Hintersinn kommt an den Tag, dass es recht arg steht um das Thema. Sollten wir eigentlich haben, doch weder die Umstellung ist zu finanzieren noch der Erhalt; bleibt also weiterwursteln. Bloß die ketzerische Frage nach einer generellen Abschaffung stellt niemand. Fragt sich ‘Datum’.


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Dialog zweier Herren im Zug

Von harbran am 19. Mai 2007

Zwei Herren im Schnellzug von St. Valentin nach St. Pölten.

Erster Herr: “Der Schorsch sucht ja jetzt auch…”
Zweiter Herr: “Der ist ja auch schon über fünfzig.”
Erster Herr: “Was heißt. Mit dreiundfünfzig ham’s ihn g’stanzt!”
Zweiter Herr: “Dich ja auch.”
Erster Herr: “Ja, aber mit vierundvierzig. Da war es noch leichter.”
Zweiter Herr: “Bitter trotzdem.”
Erster Herr: “Aber der Cuturi hats erst vor kurzem wieder geschrieben: da ist viel den Bach hinunter gegangen.”
Zweiter Herr: “Naja. Nach und nach verkauft ham’s alles.”
Erster Herr: “Die Wäsch, sozusagen.”
Zweiter Herr: “Weg mit die Leut’.” weiterlesen »


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Wer A sagt…

Von harbran am 18. Mai 2007

Die Diskussion nihilistischer Positionen in der Moralphilosophie folgt einem – von vielen Autoren seit Platon’s Gorgias tatsächlich geäußerten – Automatismus: wer A sagt, muss offenbar auch R sagen.

Wer beginnt, die Gültigkeit und Begründbarkeit moralischer Imperative zu hinterfragen und als a priorische Gegebenheiten abzulehnen, wird rasch beim vollkommenen Gegenteil landen. Nicht dass das nicht auch viele der Autoren so gemeint hätten – sehr oft wurde aus einer Ablehnung der Moralfundamente über den Negativbegriff des Nihilismus, präziser: der nihilistischen Moralkritik, eine Forderung, das ‘Böse’, i.e. das gerade Gegenteil des vom Imperativ geforderten ‘Guten’ zu tun, abgeleitet.

Der Sophist Kallikles in Platons Gorgias versteigt sich – in Platons Darstellung, einen ‘echten’ historischen Kallikles können wir nicht ausmachen! – zur Forderung nach egoistischer Befriedigung der Bedürfnisse. Und zwar expressis verbis der Bedürfnisse des Stärkeren, Berechtigten. Denn einen Schwächeren, Unterlegenen, gibt es in diesem Szenario ebenfalls. Wie es später auch Nietzsche drastisch formulierte, gilt diese Ethik für die ‘Herren’. Wie auch immer die zu definieren wären. weiterlesen »


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El gusto español

Von harbran am 17. Mai 2007

Laut Eigendefinition kompromißlos spanisch – zum Glück mit Ausnahme der Cerveca: man kredenzt auch hervorragendes Trumer Pils. Aber sonst: reichlich Tapas von Gemüse, Land und Meer, Schinken unterschiedlicher Reifegrade vom spanischen Eichelschwein. Ein bestens bestückter Keller mit iberischen Tropfen… Im Grunde ist man gewillt, den Herrschaften Glauben zu schenken!

Meine Favoriten diesmal:

Für Fleischesser brät man auch herrliche Stücke vom schwarzen Schwein, knusprig und mit einer südhaften Sauce aus gerösteten Mandeln und baskischem Blauschimmelkäse. Wenn man erst mal bei den ersten Tapas sitzt, läßt sich auch verschmerzen, dass der Zwei-Mann/Frau-Betrieb bei dichterem Besuch zeitlich ein Wenig in Verzug gerät. Was soll’s. Wer mal erstversorgt ist, kann sich immerhin vor-freuen.

Von unschätzbarem Vorteile erweist sich, dass man allerhand Spezereien bis hin zum luftgetrockneten Thumfisch und Fleisch vom Eichelschwein auf der Stelle mitnehmen kann: el gusto español importiert selbst – und liefert auch!


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Abgang ohne Verstauchung

Von harbran am 16. Mai 2007

Sie kennen das: der Vorhang geht auf, die Bühne offenbart sich – und man glaubt fast, einem Erstickungsanfall zu erliegen. So viel Staub, so viel Klamotte aus einem längst vergangenen Jahrhundert tummelt sich da. Wobei: tummeln ist ja schon ein Wort für das Movens; allein, Bewegung findet hier nicht statt. Ein Name drängt sich auf: Otto Schenk?

Nein, es ist diesmal nicht der Großmeister der kleinen Ideen gewesen, wie mich der Theaterzettel belehrte. Und derStandard.at weiss zu berichten, dass die Show in der letzten Spielzeit schon 500 Aufführungen und 48 Jahre auf dem Buckel hatte. Na ja dann. Das ganze Gespinst ist sozusagen noch original. Nun könnte man der Frage nachgehen, was ausser rein musealen Interessen eine Institution wie die Wiener Staatsoper dazu bewegen mag, so einen alten Schmus auch noch aufzuführen? Geschenkt! Das überlebt eine gute Oper – wenn auch nicht einzusehen ist, warum sie es überleben mussweiterlesen »

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Die hard 2007

Von harbran am 15. Mai 2007

Im endlich und mühsam erreichten 21. Jahrhundert ist es ja beileibe nicht mehr so, dass Kierkegaard uns noch allzu viel zu sagen hätte. Und wenn, dann allenfalls ex negativo. Ein Gedankengebäude, das von sich behauptet, auf dem Fundament des Glaubens und im Lichte der Existenz Gottes zu stehen, hat mit ziemlicher Sicherheit ausgedient.

Interessant ist allerdings, von Kierkegaard in seiner Frühschrift von 1843 Furcht und Zittern geäußert, die Entgegensetzung von Befehl Gottes und moralischem Imperativ; bei ihm führt diese Entgegensetzung qua Primat des Glaubens zu einer Suspension der Moral, exemplifiziert am Beispiel der biblischen Abrahams-Geschichte: Abraham gehorcht Gott und wird seinen Sohn Isaak opfern, obgleich selbst auf der Basis der (unterentwickelten) Moralphilosophie des Alten Testaments klar ist, dass es sich dabei um einen kaltblütigen Mord handelt. Allein, der Befehl Gottes steht über allen Regularien unter den Menschen, sogar wenn man unterstellen könnte, dieser Befehl entspringe nicht mehr dem Wohlmeinen des Herrn. Der Glaube, dass der Herr schon wissen wird, was er tut, entschuldigt die Tat. Ja es ergibt sich geradezu ein Zwang, dem zu folgen. weiterlesen »

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Ist das Fernsehen klein zu kriegen?

Von harbran am 13. Mai 2007

Wird es möglich sein, das Fernsehen so klein zu kriegen, dass es auf ein Device passt? Sie wissen schon: Handy, Organizer – alles, was ein winzig’ Schirmchen sein eigen nennt. Es soll ja der neue große Trend im Fernsehen werden.

Die Idee ist natürlich bestrickend: solche Bildschrime trägt jetzt schon jedermann andauernd freiwillig mit sich herum. Ergo ist es kein ausladender geistiger Griff, darauf auch jene Dinge zu spielen, die sonst über Bildschirme flimmern. Das Fernsehen muss ubiquitär werden, denken die Fernsehmacher. Ausserdem denken andere das gleiche, die künftigen Provider von DVB-H. Denn natürlich wird es rasend viel Geld zu verdienen geben. Oder? Zur Fussball-EM 2008 in Österreich und der Schweiz soll es auch bei uns flächendeckend soweit sein.

Wir können im Fernsehen eine recht deutliche Entwicklung zu immer größeren Bildschirmen beobachten. Auch die langsame Anpassung der tatsächlichen Sendenorm auf 16:9 und HDTV weist in diese Richtung. Bessere Qualität, mehr Fläche – diesen Trends kann ich folgen. weiterlesen »


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