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Dialog zweier Herren im Zug

Von harbran am 19. Mai 2007

Zwei Herren im Schnellzug von St. Valentin nach St. Pölten.

Erster Herr: “Der Schorsch sucht ja jetzt auch…”
Zweiter Herr: “Der ist ja auch schon über fünfzig.”
Erster Herr: “Was heißt. Mit dreiundfünfzig ham’s ihn g’stanzt!”
Zweiter Herr: “Dich ja auch.”
Erster Herr: “Ja, aber mit vierundvierzig. Da war es noch leichter.”
Zweiter Herr: “Bitter trotzdem.”
Erster Herr: “Aber der Cuturi hats erst vor kurzem wieder geschrieben: da ist viel den Bach hinunter gegangen.”
Zweiter Herr: “Naja. Nach und nach verkauft ham’s alles.”
Erster Herr: “Die Wäsch, sozusagen.”
Zweiter Herr: “Weg mit die Leut’.” weiterlesen »


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Wer A sagt…

Von harbran am 18. Mai 2007

Die Diskussion nihilistischer Positionen in der Moralphilosophie folgt einem – von vielen Autoren seit Platon’s Gorgias tatsächlich geäußerten – Automatismus: wer A sagt, muss offenbar auch R sagen.

Wer beginnt, die Gültigkeit und Begründbarkeit moralischer Imperative zu hinterfragen und als a priorische Gegebenheiten abzulehnen, wird rasch beim vollkommenen Gegenteil landen. Nicht dass das nicht auch viele der Autoren so gemeint hätten – sehr oft wurde aus einer Ablehnung der Moralfundamente über den Negativbegriff des Nihilismus, präziser: der nihilistischen Moralkritik, eine Forderung, das ‘Böse’, i.e. das gerade Gegenteil des vom Imperativ geforderten ‘Guten’ zu tun, abgeleitet.

Der Sophist Kallikles in Platons Gorgias versteigt sich – in Platons Darstellung, einen ‘echten’ historischen Kallikles können wir nicht ausmachen! – zur Forderung nach egoistischer Befriedigung der Bedürfnisse. Und zwar expressis verbis der Bedürfnisse des Stärkeren, Berechtigten. Denn einen Schwächeren, Unterlegenen, gibt es in diesem Szenario ebenfalls. Wie es später auch Nietzsche drastisch formulierte, gilt diese Ethik für die ‘Herren’. Wie auch immer die zu definieren wären. weiterlesen »


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El gusto español

Von harbran am 17. Mai 2007

Laut Eigendefinition kompromißlos spanisch – zum Glück mit Ausnahme der Cerveca: man kredenzt auch hervorragendes Trumer Pils. Aber sonst: reichlich Tapas von Gemüse, Land und Meer, Schinken unterschiedlicher Reifegrade vom spanischen Eichelschwein. Ein bestens bestückter Keller mit iberischen Tropfen… Im Grunde ist man gewillt, den Herrschaften Glauben zu schenken!

Meine Favoriten diesmal:

Für Fleischesser brät man auch herrliche Stücke vom schwarzen Schwein, knusprig und mit einer südhaften Sauce aus gerösteten Mandeln und baskischem Blauschimmelkäse. Wenn man erst mal bei den ersten Tapas sitzt, läßt sich auch verschmerzen, dass der Zwei-Mann/Frau-Betrieb bei dichterem Besuch zeitlich ein Wenig in Verzug gerät. Was soll’s. Wer mal erstversorgt ist, kann sich immerhin vor-freuen.

Von unschätzbarem Vorteile erweist sich, dass man allerhand Spezereien bis hin zum luftgetrockneten Thumfisch und Fleisch vom Eichelschwein auf der Stelle mitnehmen kann: el gusto español importiert selbst – und liefert auch!


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Abgang ohne Verstauchung

Von harbran am 16. Mai 2007

Sie kennen das: der Vorhang geht auf, die Bühne offenbart sich – und man glaubt fast, einem Erstickungsanfall zu erliegen. So viel Staub, so viel Klamotte aus einem längst vergangenen Jahrhundert tummelt sich da. Wobei: tummeln ist ja schon ein Wort für das Movens; allein, Bewegung findet hier nicht statt. Ein Name drängt sich auf: Otto Schenk?

Nein, es ist diesmal nicht der Großmeister der kleinen Ideen gewesen, wie mich der Theaterzettel belehrte. Und derStandard.at weiss zu berichten, dass die Show in der letzten Spielzeit schon 500 Aufführungen und 48 Jahre auf dem Buckel hatte. Na ja dann. Das ganze Gespinst ist sozusagen noch original. Nun könnte man der Frage nachgehen, was ausser rein musealen Interessen eine Institution wie die Wiener Staatsoper dazu bewegen mag, so einen alten Schmus auch noch aufzuführen? Geschenkt! Das überlebt eine gute Oper – wenn auch nicht einzusehen ist, warum sie es überleben mussweiterlesen »

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Die hard 2007

Von harbran am 15. Mai 2007

Im endlich und mühsam erreichten 21. Jahrhundert ist es ja beileibe nicht mehr so, dass Kierkegaard uns noch allzu viel zu sagen hätte. Und wenn, dann allenfalls ex negativo. Ein Gedankengebäude, das von sich behauptet, auf dem Fundament des Glaubens und im Lichte der Existenz Gottes zu stehen, hat mit ziemlicher Sicherheit ausgedient.

Interessant ist allerdings, von Kierkegaard in seiner Frühschrift von 1843 Furcht und Zittern geäußert, die Entgegensetzung von Befehl Gottes und moralischem Imperativ; bei ihm führt diese Entgegensetzung qua Primat des Glaubens zu einer Suspension der Moral, exemplifiziert am Beispiel der biblischen Abrahams-Geschichte: Abraham gehorcht Gott und wird seinen Sohn Isaak opfern, obgleich selbst auf der Basis der (unterentwickelten) Moralphilosophie des Alten Testaments klar ist, dass es sich dabei um einen kaltblütigen Mord handelt. Allein, der Befehl Gottes steht über allen Regularien unter den Menschen, sogar wenn man unterstellen könnte, dieser Befehl entspringe nicht mehr dem Wohlmeinen des Herrn. Der Glaube, dass der Herr schon wissen wird, was er tut, entschuldigt die Tat. Ja es ergibt sich geradezu ein Zwang, dem zu folgen. weiterlesen »

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Ist das Fernsehen klein zu kriegen?

Von harbran am 13. Mai 2007

Wird es möglich sein, das Fernsehen so klein zu kriegen, dass es auf ein Device passt? Sie wissen schon: Handy, Organizer – alles, was ein winzig’ Schirmchen sein eigen nennt. Es soll ja der neue große Trend im Fernsehen werden.

Die Idee ist natürlich bestrickend: solche Bildschrime trägt jetzt schon jedermann andauernd freiwillig mit sich herum. Ergo ist es kein ausladender geistiger Griff, darauf auch jene Dinge zu spielen, die sonst über Bildschirme flimmern. Das Fernsehen muss ubiquitär werden, denken die Fernsehmacher. Ausserdem denken andere das gleiche, die künftigen Provider von DVB-H. Denn natürlich wird es rasend viel Geld zu verdienen geben. Oder? Zur Fussball-EM 2008 in Österreich und der Schweiz soll es auch bei uns flächendeckend soweit sein.

Wir können im Fernsehen eine recht deutliche Entwicklung zu immer größeren Bildschirmen beobachten. Auch die langsame Anpassung der tatsächlichen Sendenorm auf 16:9 und HDTV weist in diese Richtung. Bessere Qualität, mehr Fläche – diesen Trends kann ich folgen. weiterlesen »


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Sibelius’ Zweite

Von harbran am 12. Mai 2007

Heute abend im Großen Saal des Musikvereins Jean Sibelius’ zweite Symphonie von den Wiener Symphonikern unter dem jungen Arild Remmereit – von getragener, fast an Tchaikovskij gemahnender Fülle über ein liebliches Trio im 3. Satz bis zu den Höhenflügen ins Hymnische im Finalsatz: ein Werk wie geschaffen für den fülligen Klangkörper der Symphoniker. Wär’ der Saal nicht so kitschig überladen, müßte man zum Hören nicht die Augen schliessen. Geht aber auch so.

Vor der Pause meine ‘Vier letzten Lieder’ (Richard Strauss) – gesungen von der mir bisher noch nicht untergekommenen Luba Orgonásova. Ganz und gar unblamabel. Schön gesungen, kräftig genug vorm großen Orchester. Man könnte manchmal schon niederknien vor diesen Menschen! Danke, danke!

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Jubel ob närrischer Tapferkeit!

Von harbran am 12. Mai 2007

Hätte unser spoudolegoion einen Preis für die Tapferkeit des Medienmachers vor dem Content zu vergeben, wir müssten ihn heute und hier sofort an Dominic Heinzl vergeben!

Oh begnadeter Hofnarr der Society! Ein Narr, wie er sonst nur bei Shakespeare steht: der den Königen und Hofschanzen den Spiegel hält und ihnen die Wahrheit in aller Bitternis ins Gesicht sagt.

Man würd solches ja just auf einem Sender wie ATV überhaupt nicht erst erwarten. Dort regiert für gewöhnlich dieselbe Dummheit, wie sie die Damen und Herren der Seitenblicke-Gesellschaft in perpetuum demonstrieren. Aber Herr Dominic, ein Narr von Lear’scher Dimension, hat Society-Krokodil Jeannine Schiller (groblederne Haut, ein Gesichtchen wie nach mehreren Motorradunfällen) einmal zu viel vorgeführt und getriezt. Sie verweigert sich ihm! Frau Schiller (und natürlich ihr Mann, der sowieso den Eindruck erweckt, als wüßte er alleine nicht, was er tun soll) boykottieren Hi Society – für ATV-Analphabeten: die Klatsch- und Tratsch- und Prominenten-Sendung von ATV, deren Anchorman und fliegender Reporter der geniale Dominic Heinzl ist. weiterlesen »


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Der GROSSE Österreich-Test

Von harbran am 11. Mai 2007

Lesen Sie exklusiv den absolut umfassendsten Test der besten Zeitung des Landes! Wir prüfen auf Herz und Nieren – aber nicht auf Rechtschreibfehler, Fehlinformationen oder blanken Unsinn. Wir bewerten streng und kompromisslos, aber ohne jede Grundlage! Wir recherchieren möglicherweise, aber wir werden niemandem sagen, worüber! Wir übertreffen uns selbst! Ausserdem: wir sind gratis. Testen Sie uns!

Die weitere Betrachtung, die im Haupttext folgt, ergibt allerdings keine neuen Erkenntnisse. Es ist schon so: da ist nichts drin. Der Themenmix findet sich nur zu einem geringen Teil in einer seriösen Zeitung wie dem Standard wieder, dafür berichtet der Standard über mancherlei, das an Österreich spurlos vorbeigegangen scheint. Man möchte mitunter glauben, es handle sich nicht um die Ausgaben von ein und demselben Tag. Wissen kann man das bei Österreich natürlich nie. Vielleicht sollten sie dazu übergehen, das Datum nicht mehr aufzudrucken. Das erhöhte die Verwendbarkeitsdauer, ersparte einer Unmenge von Bäumen das Umgeschnittenwerden – und uns die stetige bange Furcht vor dem deja-vu. So richtig ernsthaft aktuell ist es sowieso nicht. weiterlesen »


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Sauerkirsche – Schoko – Chili

Von harbran am 10. Mai 2007

Duftet frisch nach Sauerkirschen, süßes Bouquet. Dann überraschend eine Schokoladennote vorne auf der Zunge, mit leichten Bitteranteilen. Und im Abgang Chili – schmeckt richtig rot und eine Spur scharf. Die Komposition ist aufregend schön. Dabei trotzdem frühstückstauglich.

International muss sowas wohl ein Fruchtaufstrich heissen, für Österreich gilt: es ist eine Marmelade: Sauerkirsche – scharze Schokolade – Chili von SIERKS in Neumünster, Deutschland.

Wir enthalten uns jetzt der üblichen Häme im Zusammenhang mit germanischer Kulinarik. Da scheint in den letzten Jahren in dem oder jenem Reservat auch was besser geworden zu sein. Für die Deutschen gilt ja, was auch für die Engländer als prägend anzusehen ist: wenn man aus diesen Ländern kommt, ist es beinah überall auf der Welt besser essen – Ausnahme gerüchteweise vielleicht in Finnland. Ergo neigen jene Germanen, die mit offenen Mäulern durch die Lande ziehen, dazu, Neues mitzubringen. Auch so entsteht Fortschritt.

Es ist aber nicht so, dass es dazu nicht auch ein heimisches Angebot gäbe: bei SCHUBERT’S Handgerührte Köstlichkeiten kriegt man ebenfalls eine Komposition aus Kirsche – Schokolade – Chili. Ein Vergleichstest wär’ also angezeigt. Wir sind ferner absolut ausser Stande, Original und Kopie zu unterscheiden. Als kulinarische Lokalpatrioten haben wir allerdings eine Vermutung…


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