Charmante, vielfältige, interessante Musik
Von harbran am 2. Juni 2007
Klingt wie Richard Galliano mit Streichern, vielleicht stellenweise wie ein unplugged Dobrek Bistro – alles nicht wirklich zutreffend! Das Tin Hat Trio folgt einer recht eigenen Logik und kombiniert dabei Akkordeon oder Piano und Violine mit Gitarre – eine Menge verschiedener Saiten, wenn man es recht betrachtet. Aber was dabei herauskommt, ist charmante, vielfältige, interessante Musik. Und das will in Zeiten wie diesen durchaus etwas heissen!

Das ungewöhnliche Trio legt mit The Sad Machinery of Spring ein neues Album mit einem wahren neuen Universum klanglicher Möglichkeiten vor. weiterlesen »
Themen: Crossover | Keine Rekationen »
Old Ollebo, M. P.
Von harbran am 1. Juni 2007
Now let us speak of that fellowship that was there to the intent to be drunken an they might. There was a sort of scholars along either side the board, that is to wit, Dixon yclept junior of saint Mary Merciable’s with other his fellows Lynch and Madden, scholars of medicine, and the franklin that hight Lenehan and one from Alba Longa, one Crotthers, and young Stephen that had mien of a frere that was at head of the board and Costello that men clepen Punch Costello all long of a mastery of him erewhile gested (and of all them, reserved young Stephen, he was the most drunken that demanded still of more mead) and beside the meek sir Leopold.
Right, sir! It’s soon going to be Bloomsday again. June 16th.
Das Genie James Joyce’s äußert sich unter anderem auch darin, seinen Jahrhundertroman Ulysses an einem einzigen, bestimmten Tag spielen zu lassen. Ein Tag, an dem seine Hauptfigur lange Stunden von morgens bis spät nach Mitternacht nicht viel mehr tut als an seinen beliebigen anderen Tagen wohl auch. weiterlesen »
Tags: Joyce
Themen: Literatur | Keine Rekationen »
Weltausbruch in kraftvoller Sprache
Von harbran am 30. Mai 2007
Nachdem hier schon mehrmals an das gute alte Mahavishnu Orchestra erinnert wurde, anläßlich der CDs von Trilok Gurtu oder des radio.string.quartet, habe ich mich nach sicher mehr als einem Jahrzehnt mal wieder hingesetzt mit The Inner Mounting Flame von 1971 (eigentlich wollte ich ja Pat Metheny und Brad Mehldau’s neue namens ‘Quartet’ besprechen; sie ist mir aber doch zu plätschernd – passabler Jazz für nebenher, aber nicht allzu vieler Worte wert…)

Das fegt ordentlich: weiterlesen »
Themen: Jazz | Keine Rekationen »
slow thinking
Von harbran am 29. Mai 2007
Das kling ja zuallererst einmal nach mentaler Müdigkeit, vielleicht sogar angeborener. Sie wissen schon: gemächliches Anspringen der Ganglien. So ist es aber mitnichten gemeint.
Genauso wie der Begriff slow food für bedächtiges Genießen steht, bezieht sich slow thinking auf genießerisches Denken, also sozusagen (analog zu den Prinzipien der Genußvereinigung)
- überlegte Auswahl dessen, worüber man nachdenkt,
- ruhiges, nicht überhastetes Denken in extra dafür reservierten zeitlichen wie räumlichen ‘Sitzmöbeln’,
- gründliches Durchkauen mit Sinn für die feinen Nuancen dessen, was einem dabei so unterkommt,
- umsichtige Beschaffung des denknotwendigen Basismaterials
- und nachhaltiges Tagging.
Man kann sich ja heute beileibe ins geistige Bockshorn jagen lassen, so viel fast thonk kommt einem da unter – Wortneuschöpfung zur Übernahme freigegeben. weiterlesen »
Themen: Sammelsurium | Keine Rekationen »
Trilok Gurtu & Arke String Quartet
Von harbran am 28. Mai 2007
Eine auf den ersten Blick wahrhaft schräge Kombination: die vier Italiener vom Arkè String Project, das bisher mit “Acquario” eher weniger aufgefallen ist, haben sich mit dem indischen Percussionisten Trilok Gurtu zusammengetan. Herausgekommen ist eine wundbar dichte, musikalisch trotz vieler überwundener Grenzen kompakte Gratwanderung zwischen östlicher und westlicher Tradition:

Mit der CD Arkeology beweisen das Streichquartett und Gurtu kongeniale Fähigkeiten: hebt die CD mit Balatho echt auf Jazz ab, so kommt in Yoragathupaga ein klarer Anklang an das jüngste Projekt des radio.string.quartet und damit in direkter Linie das Mahavishnu Orchestra zustande – es klingt hier fast wie guter alter Fusion Jazz, nur weniger elektrisch. Folded Hands dagegen bewegt sich in fließendem indischen Singsang der Streicher dahin, interpunktiert von modernen Schlagzeugakzenten, inklusive irgendwie elektronischem “Moog”-Sound zum Solo. Auf “Skopje” schließlich klingt so etwas wie balkanesische Spielfreude durch. weiterlesen »
Themen: Jazz | Keine Rekationen »
Geld als Medium des Zynismus
Von harbran am 28. Mai 2007
Dustin Hoffman und Robert de Niro wedeln mit dem Hund: gestern abend lief auf dem ansonsten nicht gerade mit sehbaren Programmen glänzenden Schmuddelsender ATV Barry Levinson’s Meister-Satire über den Medienrummel namens Krieg und die amerikanische Politik Wag the Dog. Nicht gerade neu – aber sonst wohl auch nicht auf ATV.
Dennoch ein hervorragender Film zum Wiedersehen – allerdings stark abgeschwächt, weil naturgemäß in deutscher Version. Die ist dem Original absolut nicht gewachsen! Daher der DVD-Tipp: Wag The Dog [UK IMPORT]

Bloß nicht die deutsche Version – die bietet zwar auch eine englische Tonspur, aber die deutschen Untertitel sind nicht auszublenden. Welchen Volltrotteln sowas einfällt! Aber wahrscheinlich ist es eher ein Symptom der generellen greediness der Filmkonzerne. Wer die deutsche und die englische Version in Reinkultur haben will, soll offenbar zweimal zahlen. Sie werden – wie die Musikindustrie – zwangsläufig untergehen damit.
Man kann den Film als blanken Zynismus verstehen. Doch ist er eine Satire, eine bloße Überzeichnung des Realen. Zynismus steckt auch drin – doch auf einer anderen Ebene! weiterlesen »
Themen: Film, spoudogeloion | Keine Rekationen »
Zwei Telefonate
Von harbran am 27. Mai 2007
Das erste Telefonat:
Eine mir stimmlich unbekannte Anfruferin stellt sich nicht vor und legt los: “Volks- und Hauptschule Sowiesogasse. Die Kinder brauchen Turnsackerln, Gymnastikmatten -” und ich weiss jetzt nicht mehr, was noch alles erwähnt wurde. Ich dachte zunächst an eine Fehlverbindung.
Man ruft mich gerne auch wegen Schlosserarbeiten an, denn die Schlosserei Hammerle – in der es noch dazu auch einen Herrn Ing. Brandstetter gibt – hat eine nahezu identische Nummer. Wenn ich ich also namentlich melde, legen die gleich los mit Betellungen und Beschwerden… So dachte ich auch hier.
Vermute ich also und frage nach, wieso ich? Nein, einen Baustein kann ich erwerben. Da bin ich momentan überrumpelt. Lasse alle Freundlichkeit fahren und sage nein, nein, nein. Gnade! weiterlesen »
Themen: Medien | Keine Rekationen »
Kühlung
Von harbran am 26. Mai 2007
Gräßliche Hitze in der Stadt! Also raus ins Grüne, kühlen Schatten suchen, gekühlten Wein, einen kühlenden Luftzug vom Keller her… Und geht alles von selber: es trübt sich ein, zunächst drückt die Schwüle, dann fällt die Temperatur, es tröpfelt ein Wenig aus schweren, schwarzen Wolken. Die Luft ist auf einmal angenehm geworden. Unter der Pergola liest sich’s gut.
Also wieder Kierkegaard, “Furcht und Zittern”:
Wer nicht arbeiten will, der bekommt sein Brot nicht, sondern wird betrogen, wie die Götter Orpheus mt einer luftigen Gestalt an Stelle der Geliebten betrogen haben, betrogen, weil er zärtlich, nicht mutig, war, betrogen, weil er Zitherspieler, kein Mann war. Hier hilft es nichts, Abraham zum Vater zu haben oder siebzehn Ahnen, wer nicht arbeiten will, auf den trifft zu, was von Israels Jungfrauen geschrieben steht, er gebärt Wind, aber wer arbeiten will, der gebärt seinen eigenen Vater.
Kierkegaard beschreibt die äußere Welt und setzt ihr die Welt des Geistes entgegen, in der es eben nicht auf die Gerechten und die Ungerechten gleichermaßen regnet, in der nicht sein Brot bekommt, wer auch nicht arbeitet. Er versucht uns zu erklären, was es mit der Geschichte von Abraham, der seinen Sohn Isaak opfert, auf sich hat, warum es nicht bloß eine veranscheuenswürdige Tat ist, oder wenn schon keine Tat, weil in letzter Sekunde verhindert, so doch ein schrecklicher Plan: den eigenen Sohn zu töten auf Geheiß Gottes. weiterlesen »
Themen: Philosophie | Keine Rekationen »
NuJazz Is Not A Crime
Von harbran am 25. Mai 2007
Wenn es schon sowas wie NuJazz geben muss, dann sollte es wenigstens gut gemacht sein. Da kann man allerhand befürchten, wenn 2 DJs aus Braunschweig sich aufmachen, ein vielköpfiges groovendes Orchester hinzukriegen. Man muss es ihnen aber lassen: stylish, souly & jazzy, meistens latin! Man fühlt sich an die Könner von “Mousse T” erinnert!

So sagt Terry Callier, Guest Voice auf “What Is Hip?”:
Hipness is not a state of mind, it’s a fact of life!
Mir ist es zwar vollkommen und umfänglich einerlei (auf gut Wienerisch: ‘wurscht’), ob die Scheibe hip ist – sie ist hörbar. Das ist in den meisten Fällen mehr wert! So betrachtet stimmt es: Bossa Nova Is Not a Crime.
NuJazz is not a crime – sometimes! Dürften nur die heutigen Kids mit mehr solcher Musik aufwachsen. Sie müßten sich nicht die Ohren und sämtliches Geschmacksempfinden ruinieren mit all dem Junk, den sie sich zuführen.
Themen: Jazz | Keine Rekationen »
Fröhliche Dritte
Von harbran am 23. Mai 2007
Wer zu spät kommt, nun: den bestraft irgendwer oder irgendwas. Zum mindesten die Absenz. Meinesfalls bei verspätete Ankunft im Großen Musikvereinssaal durch Versäumnis der ‘Wesendonck-Lieder‘. Ich bin zwar sonst kein ausgeprägter Freund von Richard Wagner, doch die fünf hübschen Lieder zu Gedichtchen der Mathilde Wesendonck, die Wagnern überdies beständig monetär aushelfen durfte, sind ganz erträglich und vollkommen un-schwer.
Gehört habe ich dann die Dritte Symphonie von Bruckner, interpretiert von Roger Norrington und dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart. Relativ selten gespielt die diesmal gebotene Version: die Originalfassung von 1873 – bei weitem nicht die meistgespielte. Aber immerhin die lange Version, ohne die einschneidenden Kürzungen der zweiten Fassung. Hier werkt Bruckner sozusagen in Zeitlupe und ausgebreitet vor dem Hörer an allen Details – nach allen Regeln der kompositorischen Kunst. weiterlesen »
Themen: Konzert | Keine Rekationen »