Bürgerkrieg, Auslese, Elitenwechsel

Waren griechisches Demokratien – allen voran jene in der Polis von Athen – die ersten, so war die römische Republik das erste funktionierende Staatsgebilde auf Basis einer Oligarchie mit Beteiligung von Teilen des Volkes – und ein Beweis für die Wirkmächtigkeit eines Verfassungskontrukts.

Zumindest sah der griechische Historiker Polybios im 2. Jahrhundert v.u.Z. in der Verfassung der res publica libera – wie man im Rückblick aus der kaiserlichen Spätantike diese Epoche der res publica nunmehr nannte – die ideale Mischform aus monarchischen, aristokratischen und demokratischen Elementen gegeben.

Spannend ist natürlich die Frage, wie aus der doch funktionierenden – und in Kriegen gegen Karthago sowie Eroberungen außerhalb der Apenninhalbinsel bestens bewährten – Staatsform der Tüchtigen die Alleinherrschaft eines Kaisers und seiner nachgerade notorisch bekloppten Dynastie degenerieren konnte.

Der neuseeländische Althistoriker Ronald Syme hat schon 1939 sein bahnbrechendes Werk zur Spätphase der Republik und der Machtergreifung des Octavianus veröffentlicht – ein Protokoll des Zerfalls der Stabilität einer freieren Regierungsform und das schrittweise Hinübergleiten in eine Diktatur, wie es für die Zeit der Niederschrift in einigen Ländern Europas seine Parallelen fand.

Die Römische Revolution. Machtkämpfe im antiken Rom.
ist daher als ein Lehrbuchbeispiel für jene Müdigkeit an der Demokratie anzusehen, die im Gleichschritt mit der Aushöhlung der Kompetenz und des Ansehens einer Elite den ersten besten Populisten an die Macht bringt, so er nur wenig genug Skrupel zeigt.

Im Falle der römischen Republik ist ihr Totengräber ein zunächst ganz und gar unbeschriebenes Blatt, der – lediglich adoptierte – Erbe Caesars, ein entfernt verwandter Bankierssohn aus der Provinz. Sein einziges Argument ist es zunächst, eben der Erbe Caesars zu sein. Sein Glück ist es, dass seine Jugend und politische Unerfahrenheit ihn als eine ideale Schachfigur im Spiel anderer Mächte erscheinen lässt.

Man sollte sich jedoch nicht dazu verleiten lassen, allzu viele Parallelen zu Hitler zu sehen: das Zeitalter der Herrschaft des nachmaligen Caesar Augustus war von Frieden und Prosperität geprägt, wenn er auch seine Fähigkeiten als Heerführer unter Beweis stellen musste und damit die Nachbarn drangsalierte.

Penibel ist Ronald Symes Rekonstruktion der Adelshäuser und ihrer Vertreter, zunächst unter den Parteien der Bürgerkriege – im Gefolge des ersten Triumvirats zwischen Crassus, Pompeius und Caesar wie des zweiten zwischen Octavianus, Marcus Antonius und Lepidus – sowie dann in der Stabiliserungsphase der augusteischen Herrschaft und damit einhergehend das Protokoll eines breit angelegten Elitenwechsels, wodurch offenbar eine Auslese im Senat Platz griff, die unter dem Ziel der Herrschaftssicherung des Augustus die meisten alteingesessenen republikanischen Adelsfamilien in die Bedeutungslosigkeit drängte und die Bühne mit homines novi besetzte.

Als Lektüre wirken diese akribischen Familiengeschichten eher langweilig, sie lesen sich stellenweise wie Telefonbücher des antiken Rom. Insgesamt ist aber auf dem Untergrund dieser Detailversessenheit ein epochemachendes Werk neu übersetzt und wieder zugänglich gemacht worden.

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