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Der Triumpf der Zeit – unkonventionell

wien modern. Das RSO hat bei einer Unzahl lebender Komponisten Miniaturen in Auftrag gegeben, herausgekommen sind dabei in erster Linie Auskopplungen aus existierenden Werken, aber auch das eine oder andere orginäre Stückchen Musik. All’attacca gespielt ergeben sie wenig Sinn, als Sätze noch weniger; es sind und bleiben Miniaturen, deren Bedeutung sich im Rahmen des gewöhnlichen Konzertbetriebs eingehend verschließt. Nun gut.

Der Briten-Schwerpunkt des Festivals für Musik der Gegenwart – zum Glück nicht zu verwechseln mit einem Britten-Schwerpunkt! – bringt zwei interessante Komponistenpersönlichkeiten nach Wien, die sonst eher wenig im Konzert zu hören sind.

Das Radiosymphonieorchester Wien schreitet unter Johannes Kalitzke zur österreichischen Erstaufführung des Violinkonzerts der Londoner Komponistin Rebecca Saunders, die als eine Art weibliches Wunderkind der neueren britischen Musik gilt, und bringt dazu die deutsche Geigerin Carolin Widmann mit, für die das Konzert ursprünglich geschrieben wurde.

Geigenspieltechnisch ist das Werk eine echte Hrausforderung, wie man sehen kann. Beim Hören verspielen sich die Anstrengungen zum Glück, es bleibt eine flächige Komposition, die abseits der in der neuen Musik üblichen Klangexpedition durchaus ihre Meriten hörbar zu machen versteht.

Als zweites Werk steht The Triumph of Time von Harrison Birtwistle auf dem Programm: sein Komponist bezieht sich aber weniger auf die Oratorien von Georg Friedrich Händel, die einem dazu in den Sinn kommen mögen, sondern auf einen Kupferstich aus dem 16. Jahrhundert, der Pieter Bruegel d.Ä. zugeschrieben wird. Der Komponist betätigt sich als musikalischer Landschaftsmaler, tupft im großen Orchester Vorder- und Hintergründe, Sopransaxophon und Einglischhorn verkörpern gegeneinander und ineinander verwoben die lineare und die zyklische Zeitauffassung.

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