Sich selbst erstickende Opulenz

Wer grüßt da aus dem letzten Jahrtausend herüber? Nein, zum Glück nicht Otto Schenk. Obzwar der zu den eingestandenen Lieblingen des Hauses im Lincoln Center zählt. Auf eine dezidiert andere Art staubig, doch wenigstens in der Opulenz konsequent, strahlt die MET eine uralte Turandot in den Äther, für deren einstmals imposante Gestaltung kein geringerer als Franco Zeffirelli verantwortlich zeichnet, der an alles, was er je tat, mit dem Hang zum geistigen Kurzschluss – wie in der exemplarischen Katholenschmonzette Bruder Sonne, Schwester Mond – heranging.

Ist schon der alte Giacomo Puccini nicht wirklich zu loben für seine halbseidene Chinesenparodie, so verlegt Zeffirellis Phantasie das ganze in ein Reich asiatischer Orks oder Klingonen. Was in der Wiener Volksoper noch irgendwie kindlich naiv wirkt, wächst sich in der MET zu einem Inferno aus.

Scharen von Leuten treiben sich beständig auf der Bühne herum, die Sänger gehen in den Massen nahezu unter. Da nützt es auch wenig, dass die Titelrolle mit Maria Guleghina besetzt ist – Puccini hat ihr nichts Wesentliches zu singen gegeben, und obendrein fast alles unternommen, sie unfreundliche zu gestalten und unsympathisch zu machen. Das hohe C gelang ihr nur abrupt und spürbar kurz. Sie schien generell eher schlecht in Form.

Ihr sympathischer Gegenpol ist die aufopferungsbereite Liu, hier gesungen von der eindringlichen, glänzend disponierten Marina Poplavskaya. Sie ist eigentlich auch der Lichtblick des Abends – und spielte im dritten Akt in der direkten Konfrontation Maria Guleghina mit dunklen Vokalen, die an eine Teresa Stratas erinnern mögen, einfach an die Wand.

Der Calaf von Marcello Giordani bleibt da – trotz Nessun dorma und groß angelegtem Schmachten – eher farblos. Seine strahlenden Belcanto-Partien meisterte der Sizilianer aber brilliant.

In Samuel Ramey als Timur und Charles Anthony als Kaiser, der sein 55. Jahr an der MET zu feiern hatte, zeigte sich zumindest, dass auch Alter nicht am Singen hindert.

Der junge Andris Nelsons dirigierte, aber dazu ist nicht viel zu sagen; der Interpretation fehlte das Knusprige.

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