Im Spiegel der Frauen

Der amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright war einer der einflussreichen Innovatoren seines Metiers im gesamten Zwanzigsten Jahrhundert. Der amerikansiche Romancier T. Coraghessan Boyle ist einer der gewitzigten Autoren seiner Generation, der obendrein in einem Vorort von Los Angeles in einem Haus, das von Frank Lloyd Wright entworfen wurde, lebt. Was also läge näher, dem exzentrischen Architekten eines seiner Werke zu widmen?

Boyle wäre aber nicht Boyle, betrachtete er seinen Protagonisten aus direkter Perspektive: der Roman Die Frauen dreht sich in drei zeitlich verkehrt herum angeordneten Abschnitten um die drei Ehefrauen Wrights, sodass man aus dem vorhergehenden Teil bereits das Ende des nachfolgenden kennt.

Mit diesem Kunstkniff, der Umkehrung der Erzählzeit, schafft Boyle den Eindruck eines sich abspulenden Schicksals, gegen das kein Kraut gewachsen ist, nicht für Wright, der als beständig sich selbst ins Unglück stürzender Frauensammler porträtiert wird, aber auch nicht für seine drei Ehefrauen, deren kalte Berechnung, Geldgier, Rachsucht und Selbstzerstörungstrieb den Strudel der Ereignisse konsequent voran treibt. Die Perspektive des literarischen Rückwärts-Einparkens ist dabei durchaus von bestechender Qualität.

Dass die ganze pikante Geschichte dabei im Kontrast eines prüden, ländlichen Amerika mit einer schon damals sensationshungrigen Großstadtpresse zu dichter historischer Atmosphäre verquillt, ist sicher eine der Stärken des Buchs. Dabei stört auch nicht, dass die Erzählung einem Schüler Frank Lloyd Wrights, der Japaner ist, was für einige Verfremdung sorgt, aber auch einen externen Blick auf dieses Amerika ermöglicht, in den Mund gelegt wird, im Gegenteil, diese zusätzliche Brechung erhält das Unverständliche am Leben an diesen Verstrickungen eines monomanischen Gestaltungswillens, wie er dem Architekten zumindest im Roman eignet.

Immerhin macht Boyle damit auch Lust auf einen Blick ins Schaffen Frank Lloyd Wrights:

Daniel Treiber: Frank Lloyd Wright, Birkhuser.

Alan Hess/Alan Weintraub: Frank Lloyd Wright – Moderne Häuser, DVA.

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