Die Verkürzung Dostojewskijs

Dostojewskij hat mit Vorliebe ziemlich dicke Bücher geschrieben. Und das nicht nur, weil er vielleicht ein genialer Schwafler war. Das stellenweise auch, aber seine Geschichten und vor allem seine Anliegen brauchen die epische Breite. Insofern ist es natürlich eine nicht eben geringe Aufgabe, daraus einen Plot zu destillieren, den man in ein Libretto gießen kann. [weiter…]

Was will man mehr

Man muss nicht wiederholen, welchen Kahlschlag der europäischen, aber insbesondere der deutschen und österreichischen Kultur das barbarische Wüten der Nazis vollbracht hat – die Namen der Vertriebenen sind Legion, und es sind in der Regel die besseren der Besten, die davon betroffen waren oder sich mit den Brutalosnobs nicht gemein machen wollten. Vergessen werden darüber [weiter…]

Kühne Klangvisionen im Börsensaal

Dass die Revolution von 1917 nicht nur Geldsäcke und Aristokraten aus Russland vertrieb, sondern auch Künstler, Schriftsteller und Musiker, ist nichts Neues. Dass man in den Künsten in den Zwanziger Jahren gerade in Moskau und St. Petersburg kompromisslos modern zu Werke ging, auch nicht. Die wahre Moderne aber, die dem gesamten Jahrhundert ihren Stempel aufdrücken [weiter…]

Positive Vibes

Das Wiener Jeunesse Orchester – Nachwuchsschmiede für Orchestermusiker – spielt unter dem Kolumbinaer Andrés Orozco-Estrada ein lebendiges, erfrischend rhythmisches Programm.

Einleitend erklingt die selten gespielte Ouverture über hebräische Themen von Sergei Prokofiew, ein feines Gewebe von Anklängen jüdischer Folklore und kräftig russischer Intonation.

Danach ist das Klavierkonzert Piccolo mondo antico von Nino Rota eher enttäuschend, [weiter…]

Analytisches Musizieren

Mit dem Ersten Violinkonzert von Sergej Prokofjew taten sich schon die Zeitgenossen 1916/17 schwer. Nicht konzertmäßig, nicht virtuos genug schien es vielen Kritikern damals, und irgendwie scheint das doch dem Werk innezuwohnen – denn auch für einen grossen Auftritt von Hilary Hahn scheint es irgendwie dürftig…

Doch hat Prokofiew in den schwierigen Kriegsjahren ein eindrucksvolles [weiter…]

Wieder mal: Schade um ein Orchester

Um es vorweg zu nehmen: Eduard Lalo mag ein begnadeter Bratschist gewesen sein, er mag auch seine Soloinstrumentalisten, namentlich die an der Violine, mit wahren Gustostückerln versorgt haben, was ja durchaus hörbar ist, doch er war darüber hinaus ein fürchterlicher Ignorant dem Orchester gegenüber.

Da gastiert das Royal Philharmonic Orchestra schon mal in Wien, aber [weiter…]

Und wo steckt Lenin?

Das war schon die Frage, als Dmitri Shostakovich im November 1939 seine Sechste dem Publikum vorstellte. Zum Glück brauchen wir ihn heute nicht mehr krampfhaft in dem Werke zu suchen.

Das Russische Nationalorchester gastierte unter dem jungen Vladimir Jurowski im Konzerthaus – mit einem Programm russischer Musik aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.

Den [weiter…]

Mitgerissen von Spielfreude

Funktionales Spiel, nüchtern, frei von artifizeiller Phrasierung, kräftig und dabei ungeduldig – das Klavierspiel Sergej Prokofjews war zu seiner Zeit der Inbegriff des Neuen, nicht im Sinne einer Mode sondern eines Paradigmenwechsels, wie ihn Bartók, Stravinskij und andere für den Instrumentalvirtuosen propagierten.

Der junge österreichische Pianist Markus Schirmer demonstrierte im Großen Saal im Konzerhaus am [weiter…]