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Die große Ödnis der russischen Seele

Ich hatte mich durchaus gefreut auf Léos Janáceks Suite für Bläsensextett Mládi – doch hat ein übelwollender Krankheitsteufel wenig Einsehen mit mir. Wegen Ausfalls eines essentiellen Musikers wird das Programm des Klangforum Wien unter Emilio Pomárico empfindlich verändert.

In diesem zweiten Konzert des Zyklus Festliche Tage alter Moderne im Theater an der Wien wird vor [weiter…]

Happy Birthday anyway, Mr. Maazel

Dieser Tage begeht Lorin Maazel seinen 80. Geburtstag – und zieht wie ein Hans Dampf in allen Gassen durch die Lande. Nach Konzerten in München gastiert er nun auch in Wien mit einem Programm bestehend aus Igor Stravinskij und Anton Bruckner. Kommt der alte Herr auch nicht mehr so behende daher und stakst etwas steif [weiter…]

Ein Haufen hingeworfener Dinge ist die beste Ordnung

Das stellte schon der griechische Philosoph Heraklith fest – vor über zweieinhalb tausend Jahren. Ich konnte es heute feststellen: im Konzerthaus, bei der Matinee der Wiener Philharmoniker unter dem recht legeren Daniele Gatti.

Aber nicht der Dirigent des Tages hat es heute diesem vornehmlich besten Orchester der Welt angetan, sondern einer, der selber besser Dirigent [weiter…]

Ein sehr soignierter Wüstling

Dass Nikolaus Harnoncourt sich der Moderne annimmt, mag vielleicht selten sein, kommt aber des öfteren vor. Ich liebe etwa seine Bartók-Einspielungen.

Im Theater an der Wien, das immer mehr der Staatsoper den Rang abzulaufen beginnt, bringt er Igor Stravinskij auf die Bühne: des Pariser Russen Musik ist sehr zeiten- und weltgengewandt, nirgendwo vordergründig modern oder [weiter…]

Frankenstein!!

Und das ist nicht einmal gelogen: HK Gruber interpretierte mit den Wiener Philharmonikern im Großen Saal des Konzerthauses HK Gruber: Frankenstein!! Ein Pandämonium für Chansonnier und Orchester kommt im Mäntelchen einer Kinderoper mit gar bösen Sprüchen daher. Aber auch das ist kein Wunder, stammen diese Textzeilen doch von Hans Carl Artmann, dem Meister hintergründiger Bosheiten. [weiter…]

Frühlingsopfer im Herbst

Mit Igor Stravinskijs Sacre du Printemps ist leicht Begeisterung hervorrufen – zumindest ist fast hundert Jahre nach den Krawallen bei der Uraufführung die archaisch-rhythmische Ballettmusik endgültig im breiten Repertoire angekommen. Offenbar entschädigen die mitreissenden Rhythmen für die Dissonanzen – und an beiden hat Stravinskij nicht gerade gespart.

Das hierzulande nicht gerade sehr präsente Rotterdam Philharmonic [weiter…]

Eine neue Geschichte vom Soldaten

Es ist zwar die alte, eigentlich schon sehr alte Histoire du Soldat, die Stravinskij 1917 schrieb, die seine Auffassung von der theatralischen Praxis spiegelt: nichts ist hier versteckt, kein Orchestergraben birgt die Musiker, der Sprecher sitzt mitten auf der Bühne – aber auch musikalisch greift der Russe auf, was nur zehn Jahre später die Deutschen [weiter…]