Voglio più!

Will man nicht hinaus aufs Land zu mitunter recht zweifelhaften Produktionen reisen, hat man’s im Wiener Sommer eher schwer mit der Oper. Die alte Dame, die Staatsoper, schlummert einer neuen, womöglich noch staubigeren Saison entgegen. Zum Glück aber läßt das Theater an der Wien es sich nicht nehmen, auch sommers trotz höchster Temparaturen einen Don Giovanni aufzuführen.

Im Regiekonzept von Keith Warner leitet der Titelheld das mondäne Hotel Universaire, als Concierge fungiert sein Diener Leporello. Dieses Setup erlaubt ein präzises, heutiges Psychogramm der Personen zwischen der Lebens- und Liebessehnsucht, die vor allem die Frauen immer wieder wie die Motten ins grelle Licht des Verführers treibt, aber auch des Don Juan selber, der wie uner Zwang Schönheiten, gefährliche Situationen und Grenzüberschreitungen sucht – dass dabei aber nicht immer gleich auch etwas Sinnvolles herauskommen muss, zeigte vor Jahren Konwitschny in der Komischen Oper.

Ein Ensemble großartiger junger Solisten, voran Erwin Schrott als Don Giovanni und Hanno Müller-Brachmann als sein philosophisches Faktotum Leporello, hebt Mozarts wirkmächtige Musik in luzide Sphären und Da Pontes verschmitzt-satirische Geschichte in den Bereich intelligenter Komödie. Kongenial agieren auch die Damen: Aleksandra Kurzak als Donna Anna und Nina Bernsteiner als lyrische wie erotische Zerlina – allen voran aber die wunderbare Véronique Gens als Donna Elvira – gesanglich boten sie alle drei fein ziselierte Portraits.

Witzig und gut disponiert Markus Butter als Masetto, sanglich etwas blass und als Person recht hölzern hingegen der Don Ottavio von Bernhard Richter.

Das RSO Wien unter dem kurzfristig eingesprungenen Riccardo Frizza musizierte auf gewohnt hohem Niveau, mit häufig aufblitzender Spielfreude und hörbar guter Abstimmung.

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