Vom Waten im Morast (2)

Zur Rückführung der Philosophie aus den Himmeln der Spekulation bedurfte es – wie an mehreren neuralgischen Punkten in der Geschichte der Philosophie – einer außer-philosophischen Intervention: nachdem Gottlob Frege seine formale Logik und damit den formalen Beweis entwickelt hatte, griff Rudolf Carnap zu… er entwickelte in den Wiener Kreis hinein den logischen Positivismus, von dem – vor allem nicht-deutsche – Zweige der modernen Philosophie abstammen, eine direkte Folge der Vertreibung der Vernunft unter den Austrofaschisten (der Exodus des Denkens begann, wie könnte es bei einer so dumpf klerikalen Regierung anders sein, schon damals) und den Nazis, die das Unwerk brachial vollendeten.
Aber das Denken läßt sich bekanntlich nicht wirklich aufhalten oder unterbinden, weder von politischen noch von religiösen Mächten. Ob dabei Fortschritte erzielt werden, steht auf einem anderen Blatt, denn
die Frage des Fortschreitens ist ja immer eng mit der von Richtig und Falsch verbunden, mit dem Faktum der Wahrheit, da ein Fortschritt im landläufigen und dabei hinterfotzig eschatologischen Sinn ja schon als eine gerichtete Angelegenheit vorgestellt zu werden hat.
Dabei sind das Dinge, über die man – im zutiefst belanglosen Sinn des Wortes – allenfalls spekulieren kann. Das Reden darüber produziert warme Luft. Das Suchen nach dieser übergeordneten Wahrheit, die als Ziel unserer Orientierung dienen kann, gestaltet sich als Stochern im Schlamm. Solcher Fortschritt ist realiter ein Waten im Morast.
Mit solchen Ansprüchen verheddert man sich höchstens in Widersprüche – und produziert Unsinn, wie Moritz Schlick das treffend nannte.
Bei Rorty steht ganz treffend: es bleibe nichts anderes übrig, als

die Idee, eine Theorie zu haben, auf eine Weise herabzusetzen, die sich nicht darauf festlegt, eine Theorie über das Haben von Theorien zu haben.

Offentsichtlich ist es hilfreich, Dinge als gegeben zu nehmen, ohne sich in Fragen der Erkennbarkeit der Welt zu verlieren oder einem bestimmten So-Sein nachzujagen.
Es ist eine Frage des Beimessens von Bdeutungen, oder wie Wittgenstein im Tractatus unter Punkt 6.53 sagt:

Die richtige Methode der Philosophie wäre eigentlich die: Nichts zu sagen, als was sich sagen läßt, also Sätze der Naturwissenschaft – also etwas, das mit Philosophie nichts zu tun hat -, und dann immer, wenn ein anderer etwas Metaphysisches sagen wollte, ihm nachzuweisen, dass er gewissen Zeichen in seinen Sätzen keine Bedeutung gegeben hat.

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