Wäre da nicht Brahms

Es ist – aus irgendeiner Perspektive von dort drüben – wahrscheinlich durchaus verdienstvoll, wenn ein Dirigent sich als Botschafter der Musik seines Herkunftslandes versteht. Und es gibt bekanntlich immer Dinge zu entdecken, die man ohne das verdienstvolle Missionieren solcher Botschafter eben nicht zu entdecken vermocht hätte. So schon oft geschehen…

Anders bei Edward Elgar. Der ist – damit die Voraussetzung erfüllend – bei uns so gut wie unbekannt und recht gar selten gespielt. Die Briten umgekehrt können ohne ihn ganz offenbar nicht. Allerdings erweist sich jedesmal, wenn eins seiner Werke den Weg zu uns findet, dass es ebendiesen nicht wirklich gelohnt hat.

Elgar’s Erste Symphonie ist eine langwierige – und über weite Passagen langweilige – Amassierung von Klangungetümen, sodass man sich über mehrere mit ihrer Aufführung durch das BBC Scottish Symphony Orchestra unter Donald Runnicles im großen Konzerthaussaal zusammenfallende Ereignisse dann auch nicht mehr zu wundern braucht:

  • In der Pause verliessen die Zuhörer scharenweise das Haus – vor dem Elgar’schen Tongebilde – und die Frage, warum das wohl so wäre, beantwortete sich dann eher rasch. Wenn sie es schon nicht wussten, so haben sie offenbar ein ahnungsvolles Vorurteil gepflegt und damit recht behalten.
  • Schwelgt der Komponist zu Anfang des ersten Satzes noch in getragener Melodie, die durchaus an die musikalisch wenig gebildete Seele zu rührer versteht, so geht die Sache danach unter in gediegener Mopsigkeit.
  • Im zweiten Satz – wenn man im Grunde nur noch auf die Satzpause wartet, um das Weite zu suchen – findet er, wohl in Ahnung solcher Reaktionen, nicht und nicht das Ende, ohne dabei allerdings auch nur das Geringste von Bedeutung zu notieren.

Es mag gut gemeint gewesen sein von den Inselbewohnern, dass sie uns mir ihrem musikalischen Nationalheros zu beglücken dachten – allein, es artete zum Drama aus, wäre da nicht Brahms…

Das Violinkonzert von Johannes Brahms vor der Pause mußte also in Retrospektive den Abend retten.

Das gut geführte Orchester und der in Wien debütierende James Ehnes lieferten ein Zusammenspiel, wie man es doch recht selten zu Ohren gebracht bekommt. Dirigent Runnicles vermochte sich und das Orchester in idealer Weise auf den schlanken Geigenton des Kanadiers einzustellen. Man muß wirklich oft ins Konzert gehen, um eine ähnlich gelungene Darbietung serviert zu bekommen.

Als Einleitung gab’s Benjamin Britten: die Four Sea Interludes.

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