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Schwofel und Pofel

Man kann natürlich aus jeder Oper von Richard Wagner was machen, mit der einzigen Ausnahme des Parsifal. Es nützt rein gar nichts, dass die Musik, die Wagner zu diesem Weihespiel komponiert hat, überirdisch ist. Die ganze Geschichte ist dermaßen Schwofel, dass sich daraus leider auch kaum etwas machen lässt. Es ist eines der Werke, die zu einem immerwährenden Dasein als Hörstücke verdammt sind.

So gibt es in der Live in HD-Übertragung dieser Aufführung der MET an den Sängern nichts zu meckern: Jonas Kaufmann singt den Parsifal und stellt wiederum seine Klasse als Wagnertenor unter Beweis. René Pape ist kein Unbekannter als Gurnemanz, auch er in bester Form. Peter Mattei als Amfortas und Evgeny Nikitin als Klingsor komplettieren die erstklassige Riege. Einzig die Kundry hat man schon wesentlich schöner gehört als von Katarina Dalayman. Einerlei, es ist sowieso ein blödes Männerspiel, in dem die einzige Frau allenfalls die Ausrede geben darf.

Die Inszenierung des Kanadiers Francois Girard kämpft mit der Bewegungslosigkeit der Wagner’schen Handlungsvorgabe, aber immerhin werden im Verein mit Bühnenbildner Michael Levine der epischen Breite und ausladenden Komposition eindrucksvolle Bilder eingeschrieben. Schade nur, dass alles zu lang dauert und die Wirkmächtigkeit der Bildwelten sich zu schnell abnutzt. Aber auch das ist schon ein Urproblem vom Komponisten her.

Der ganze Schwofel und Pofel schmort recht monumental im eigenen Saft. Drüber ziehen unvermeidbar die Untertitel der Wagner’schen Blödsinnigkeiten vorbei – das mit Abstand Dümmste, das er je erdichtet hat -, doch man kann sie ganz einfach nicht weg-ignorieren. Man sollte die Augen schließen — aber mach’ das mal einer im überhitzten und sauerstoffleeren Kino, ohne gleich allzu sanft zu entschlummern… Da ist wiederum schad’ um die Musik. Daniele Gatti erweist dieser Seite des Werkes grandios Reverenz.

Fazit: es gibt bei weitem schlimmere Umsetzungen, aber der Parsifal ist und bleibt ein Unding für die Bühne. Hat aber offenbar Fans.

 

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