Rund um die Moderne – Aussenkreis

Was einem das Abo so beschert, hat meist gute und weniger gute Seiten. Die guten heute im Großen Musikvereinssaal: Kirill Petrenko, die Wiener Symphoniker und eine ungemein ausdrucksstarke Sopranistin. Die weniger guten: der grauenhaft pompöse Saal, der Bariton und ein langweiliges Werkchen von Ljadow.

Immerhin musiziert man zuerst einmal eins der flankierenden Werke der Wiener Moderne, die Lyrische Suite op.18 für Sopran, Bariton und Orchester von Alexander Zemlinsky. Hier glänzt die Schwedin Camilla Nylund, neben der jedoch Bariton Wolfgang Koch recht blass bleibt. Das Werk ist für seine Entstehungszeit in der ersten Hälfte der Zwanziger Jahre erstaunlich moderne-resistent, erst recht wenn man bedenkt, dass sein Schöpfer doch mit beiden Beinen in eben diesem Umfeld stand.

Nicht anders geht es nach der Pause weiter mit Der verzauberte See op.62 von Anatoli Konstantinowitsch Ljadow, auch nicht gerade eine Leuchte des Modernen. Entsprechend spielt der Komponist in extrem leisen Tönen mit den Farben eines im Gegenlicht schimmernden Sees, doch gebricht es ihm dabei an der entsprechenden Formensprache.

Zum Schluss gibt es dann noch einen Lichtblick, was den Anspruch an musikalischen Fortschritt betrifft: das Poème de l’Extase op. 54 von Alexander Nikolajewitsch Skrjabin. Musikwissenschaftlich könnte man das als eine Vorform der Zwölftontechnik bezeichnen, denn Srjabin komponiert bereits atonal, seine Akkordbildungen stehen bereits jenseits des überkommenen Dur-Moll-Schemas.

Kirill Petrenko leitet die zu anderen Gelegenheiten bisweilen recht wankelmütigen Symphoniker zu einem ungewohnt kraftvollen, farbenreichen Spiel an, insbesondere der Srjabin entfaltet unter seiner Leitung eine hoch geladene Spannung, selbst die Presti und Fortissimi bleiben facettenreich.

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