Der Mozart wird’s schon richten

Mit den Opern ist das gewiss wie mit den Frauen: alles ist erlaubt, nur keine Übergriffe.Und nur weil also eine häufig drankommt, sich als leichte Muse gibt, braucht man noch lange nicht den letzten Rest von Anstand sausen lassen.

Der seinerzeit bei Brecht übrig gebliebene Achim Freyer geriert sich als grosser Künstler und kühlt sein Mütchen an der Zauberflöte. Das ganze kommt recht infantil daher, häufig fehlen die handlungsmäßigen Anschlüsse, sodass manches wie zusammengepickt ausschaut, und offenbar ist dem Herrn Freyer bei Mozart inzwischen schon so fad, dass er andauern irgendwelche Kalauer einschieben muss. Wie muss er sich gefreut haben, dass doch dann und wann wer lacht.

Man muss sich allerdings hüten, das Ergebnis als Provinzposse zu bezeichnen, denn ich habe in ebendieser Provinz, namentlich beim Musikfest Steyr 2005, eine Inszenierung von Susanne Sommer gesehen, die bedeutend besser war.

Gut, dort hatten sie keine Symphoniker und auch keine Diana Damrau – man kann nicht alles haben. Leider. Denn Frau Damrau war der Lichtblick dieses heutigen Abends im Theater an der Wien: und zum Glück hat der Wüterich darauf verzichtet, auch sie in eine überdimensionale Pluderhose zu stecken oder sie sonstwie am Singen zu hindern.

Natürlich gibt Herr Freyer bereitwillig Auskunft zu seinen inzwischen sechs Zauberflöten-Inszenierungen, denn auch Programmheft wollen befüllt werden. Aber da bestätigt sich nur eins: wenn der Künstler sich allzu sehr aufbläst, kommt meistens nur ein Furz heraus.

Was aber mag sich die Intendanz des Theaters an der Wien gedacht haben? Dass man in der Saure-gurken-Zeit im Hochsommer besser was Leichtes spielt, und Mozart, denn es sind bekanntlich viele Japaner da – oder sowas halt. Und: auch wenn’s der Freyer vergurkt, der Mozart wird’s schon richten.

Das ist dann auch das wirkliche Glück dabei: der Mozart ist robust, der hält das aus. So sehr man sich während der Darbietung ärgern mag, am Ende fühlt man sich doch ganz eindeutig zufrieden und glücklich.

Der Korse Jean-Christophe Spinosi am Pult der Wiener Symphoniker hob Mozarts musikalischen Kosmos zunächst etwas zaghaft aus der Taufe, blieb durchwegs sparsam, fand aber noch im ersten Aufzug seinen Weg: nicht zu pointiert, keine neujahrskonzertliche Beschwingtheit, die dieser Sammlung von Gassenhauern der Opernliteratur niemals gut tut, so verlockend das sein mag, doch entschieden gefühlvoll. Manchmal ein Wenig leise. Aber den Krach machte ohnehin Freyer.

Souverän inmitten all der Hanswurtstiaden Georg Zeppenfeld als Sarastro. Auch Sen Guo als Königin der Nacht, die ihre erste Arie etwas verdröselte, mit der zweiten aber brillierte und in allen Koloraturen schillerte. Mit nicht unbeträchtlichem komödiantischem Talent – aber das muss einer haben, der in die Fußstapfen Schikaneders treten will – spielte der Neuseeländer Jonathan Lemalu seinen Papgeno im Gegenwind der lauen Späße, dabei hätte er auch ohne die G’spassetteln der Regie noch für ausreichend Spass gesorgt. Im Übrigen konnte man dieses Talent – sowohl sanglich als auch komödiantisch – in Haydns Orlando furioso schon früher im gleichen Haus bewundern: als Rodomonte.

Der wirkliche Segen des Abends war, wie schon gesagt, Diana Damrau. Von den drei Damen – Malin Byström, Hermine Haselböck, Julia Oesch – hingegen kann man wenig sagen, die hat erneut der Regisseur auf dem Gewissen, der zugleich für die absurden Kostüme verantwortlich zeichnet. Das sind in der Regel keine Rollen für ältere Diven, aber diesmal sind sie alle drei zu solchen verunstaltet worden.

Auch Shawn Mathey als Tamino und Karl-Michael Ebner als Monostratos gingen in der hölzernen Regie und dem Klamottenklamauk fast vollkommen unter.

Aber das Kalkül scheint dennoch aufgegangen: der Mozart hat’s gerichtet. Er ist doch immer wieder ein Genie…

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