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Händel vollends unter Wert

Händels Londoner Opernunternehmen erlitt irgendwann endgültig Schiffbruch: seine zweite Karriere startete der umtriebige Komponist mit Oratorien. Damals war ihm großer Erfolg beschieden – heute werden sie weitaus weniger gespielt als seine Opern. Und das nur zu Recht.

Im Zyklus konzertanter Barockopern bringt das Theater an der Wien ausgerechnet das letzte Oratorium Händels, Theodora, zur Aufführung. Hervé Niquet und Le Concert Spirituel können daran auch nichts ändern: ein Oratorium ist keine Oper. Hier fehlt jegliche musikalische Dramatik, statt dessen wabert weihevoller Chorgesang.

Nur: ein Oratorium muss nicht fad sein, eines der besten Beispiele lieferte der Komponist höchstselbst in jungen Jahren mit Il Trionfo del Tempo e del Disinganno. Aber auch das erste Oratorium Haydns strotzt vor musikalischer Kraft. Man kann also auch nicht sagen, dass biblische Themen per se zu kompositorischer Mopsigkeit führen.

Ein wenig scheint die Sprache Teil des Problems zu sein: italienisch klingt einfach besser als englisch, von deutsch gar nicht zu reden. Und gerade bei biblischen Texten ist es enorm wichtig, dass man sie eben nicht versteht!

Über die gesangliche Darbietung kann man infolgedessen wenig sagen: die Pariserin Sandrine Piau ist als große Interpretin dokumentiert, hier aber hilft das wenig. Auch Patricia Bardon kennt man zumindest aus der MET, wo sie die Erda sang in Rheingold und Walküre.

Counter Lawrence Zazzo kenne ich bereits von Monteverdis Poppea, hingegen sind mir James Gilchrist und Nathan Berg bislang kein Begriff gewesen.

Der mitgebrachte Chor hat noch die besten Momente, hier wird unterm Weihrauch dann und wann das Genie Händels ruchbar. Zum Durchbruch kommt es allerdings nicht. Man erlebt Händel vollends unter Wert. Echt was für Fans. Ich gehöre aber nicht in diesen erlauchten Kreis.

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