Besser als nichts, aber nicht eben gut

Die florentinischen Medici stehen als Synonym für die Renaissance schlechthin im Bewusstsein der Geschichte, und das wohl zu recht. Aber auch in der französischen Geschichte haben sie ihre Spuren hinterlassen. Daneben ist es für Italiener fast klar, dass sie sich den einen oder anderen Papst stellten. Berücksichtigt man aber, dass ihre Famniliengeschichte doch einige Jahrhundert lang währt, so interessiert, was sie außer den beiden Großen – Cosimo und Lorenzo – noch zu bieten haben.

Der Schotte James Cleugh hat mit Die Medici: Macht und Glanz einer europäischen Familie einen Rapport dieser langen Geschichte versucht: immerhin finden sich erste Spuren des Kaufmanns Chiarissimo de’ Medici schon 1201 und der letzte Träger des Namens, der auch tatsächliche Verwandtschaft belegen konnte, war Gian Gastone de’ Medici, der 1737 als Großherzog der Toskana verstarb.

Ein Vorteil des Buches ist also sicherlich, nicht allein auf die Zeit Cosimo des Älteren oder Lorenzo des Prächtigen zu fokussieren; Cleugh widmet auch ihren Nachfolgern bis zum Aussterben des jüngeren Astes der Familie sein Augenmerk. Wie er das tut, ist allerdings weniger prickelnd.

Abfällige Urteile sind rasch gefällt, die Begründungen dafür werden allerdings verschwiegen. Das ist jedoch keine Charakteristik guter Geschichtsschreibung. Zudem vermag der Autor – oder der Übersetzer? – sich nicht immer hinreichend klar auszudrücken: die frühe Phase und der von ihm so titulierte lange Niedergang strotzen vor Passagen, in denen nicht klar ist, von wem grade die Rede ist. Das mag zum einen an den Medici und ihrer nicht eben erfindungsreichen Namensgebung liegen, sie heißen alle Cosimo, Francesco und zum Ende hin dann mit Vorliebe Ferdinand – aber zum anderen verheddert die Prosa sich gern zwischen den Haupt- und Nebenfiguren. Auch wiederholen sich etliche Darstellungen, speziell der Kulturgeschichte. Das ist dann doch mühsam.

Über die Regierungsweise der älteren Medici, die ja selbst kaum je länger als üblich hohe Ämter in der florentinischen Republik inne hatten sondern über Mittelmänner und die Beherrschung der Gremien ihren Einfluss ausübten, ist schon eingehender gehandelt worden, etwa von Lauro Martines, auch mit deutlich mehr Klarheit.

Interessant sind die Kapitel über die Frauen: Katharina de’ Medici, die einige Zeit lang beherrschende Figur Frankreichs war, und Maria de’ Medici, die dem französischen König Henry IV angetraut wurde aber inmitten ihrer Nebenbuhlerinnen wenig Chancen hatte.

Eine umfängliche, fundierte und gut geschriebene Geschichte der Medici scheint es allerdings nicht zu geben.

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