Neues fürs Repertoire

Schlecht besucht der Mozart-Saal des Konzerthauses bei einem doch gar nicht so abstossenden Programm des Zehetmair Quartett: als absolute Rarität stand eingangs das Streichquartett c-moll von Anton Bruckner auf dem Programm, danach das vom Zehetmair Quartett schon uraufgeführte Streichquartett Nr. 2 von Heinz Holliger – und nach der Pause das Streichquartett a-moll op.41/1 von Robert Schumann.

Zugegeben: Bruckner ist weder eigens bekannt für sein kammermusikalisches Schaffen, noch in irgendeiner Weise außergewöhnlich. Man hört Bruckner in reduzierter Besetzung, was einen eigenen Reiz hat, doch wahrhaft nicht zu den herausragenden Beiträgen zur Gattung gehört.

Heinz Holliger, der als Oboist und Kapellmeister bekannter ist denn als Komponist, erweist sich in dieser Rolle denn auch als weniger bedeutsam. Für manche Zuhörer war’s sichtlich eine Tortur, doch kann man nicht sagen, dass die sich auch gelohnt hat. Holliger entwickelt weder ein eigenes Idiom, noch vermag er ein tragfähiges Konzept durch alle 4 Sätze zu bringen.

Die wahre Überraschung war für mich dann aber Robert Schumann: sein Streichquartett Nr.1 in a-moll entwickelt sogar so etwas wie Kraft und hohe Spannung und klingt mithin für diesen musikalischen Weichling eher unvermutet heftig. Natürlich, der zweite und vierte Satz sind gekonnt melodisch eingefädelt, doch – vor allem der letzte – auch eruptiv.

Die zwei Damen und Herren um Violinist Thomas Zehetmair – den ich allein schon wegen seiner Einspielung der Bach-Partiten (BWV 1001-1006) überaus schätze – musizieren mit warmem Ton, technischer Brillianz und jugendlicher Frische. Vielleicht ist es ja auch das, was dem Schumann-Quartett zugute kommt. Es hat mich jedenfalls nicht bloß überrascht, sondern mit steigender Intensität mehr und mehr gefangen genommen.

Diesen Schumann werde ich in mein ständiges Repertoire aufnehmen – wer hätte das gedacht!

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