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Das Lied von der Erde

Zur Matinee im Konzerthaus heute Berg, Schubert und Mahler: ein Beispiel für die schon bis zum Überdruß gewohnte Verheiratung kaum zusammenpassender Dinge in Konzertprogrammen, die damit dem Geschmack eines gewöhnlichen Publikums gefügiger gemacht werden sollen.

Bergs Drei Orchesterstücke op. 6 (in der Bearbeitung von 1929) weisen schon zu Beginn zurück auf Mahlers gestenreiche Klänge – die hier im Konzert erst ans Ende gestellt wurden: Vor Das Lied von der Erde wurde aber noch Schuberts 3. Symphonie geschoben.

Das gute Stück ließ den zur Entstehungszeit erst 18jährigen Schubert wie einen musikalischen Simplicissimus dastehen – im Umfeld solcher technischer Riesen erwies sich der recht einfach gestrickte Duktus der D-Dur-Symphonie eher fehl am Platz. Da ist wenig Material, ein paar passable melodische Ideen, zu ganzen Melodien ausgewalzt – das kann er ja, der Schubert -, ein klein Wenig auch der erste Drang zum späterhin monumentalen Schlußsatz – aber insgesamt erweist sich der Bube trotz versuchter Nacheiferung Beethovens gerade im Menuett noch keineswegs als der großen Form gewachsen.

Einerseits ist es ja immer bemerkenswert, was musikalische Genies in jungen Jahren zu Wege bringen – doch nicht alles davon ist auch konzertsaaltauglich. Allenfalls, man möchte dem p.t. Publikum besonders leichte Kost auftischen. Dessen scheinen sich die Wiener Symphoniker gewissermaßen als Kompensation für Berg und Mahler schuldig zu wähnen. Der Brite Daniel Harding am Pult dürfte dafür mit verantwortlich sein.

Für den Mahler waren ursprünglich Rolando Villazon und Angelika Kirchschlager vorgesehen. Der Tenor hatte schon früh – wie es bei ihm eher häufiger zu erwarten ist, als dass er tatsächlich käme und sänge – abgesagt, zuletzt kurzfristig auch Frau Kirchschlager. Doch in Michelle DeYoung und Burkhard Fritz fanden sich zwei jüngere Einspringer, die dem ganzen insgesamt das angemessene Gepränge zu geben vermochten, in stillen wie in kräftigen Passagen.
Man merkt dem Werk nicht an, wie lange Mahler sich im Wankel befand, ob es ein Liederzyklus werden oder als Symphonie das Licht der Welt erblicken sollte; aber schon Schönbergs Gurre-Lieder von 1900 vermochten aus einem recht ähnlichen Zwitterwesen ein gefügtes Ganzes zu erschaffen.

Zu Eingang im Trinklied vom Jammer der Erde war das Orchester eindeutig zu laut, die Freude am mahlerschen Gestus schien Harding und die seinen etwas zu weit mit sich zu reissen, dann aber ließen sie alsbald dem Tenor seinen Raum.

Freundlicher gingen sie da zum Glück mit Frau DeYoung um: insbesondere das lange, letzte Lied Der Abschied mit seinen trauermarschartigen Strophen-Introduktionen spielten sie mit viel Gefühl, was von der Sängerin blendend genutzt und erwiedert wurde.

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