Mein neuer Favorit als Leporello!

Bisher habe ich Erwin Schrott für den besten Leporello gehalten – gesehen vor etlichen Jahren in der Festwochen Inszenierung im Theater an der Wien… Die MET Live in HD überträgt nun ihren brandneuen Don Giovanni von Wolfgang Amadé Mozart, der in Venezuela geborene Luca Pisaroni singt einen musikalischen perfekten, schauspielerisch gewitzten und stimmlich brillianten Leporello – und ich habe einen neuen Favoriten.

Aber nicht nur er, das gesamte Ensemble glänzt: Mariusz Kwiecien ist ein herrlich fieser, mit distanzierter Ironie die Frauen anschmachtender Don Giovanni, zu Recht einer der großen Baritone unserer Tage. Ramón Vargas als Don Ottavio vertritt das Tenorfach meisterlich: die Arie Il mio tesoro gelingt ihm schlichtweg tränenrührend, seine sich steigernde Verunsicherung ob der Abweisung durch die Braut trägt zumindest echt lebendige Züge.

Unter den Damen funkelte die Hamburgerin Mojca Erdmann als quirlige Zerlinetta, alle Register einer naiv-verführerischen Unschuld vom Lande ziehend: ihr strahlender Sopran qualifiziert sie wirklich für Höheres. Die Donna Anna von Marina Rebeka ist demgegenüber eher spanisch steif angelegt, eine sich dem Ottavio beständig versagende Schöne aus gutem Haus, doch begnadet gesungen!

Barbara Fritoli legt ihre Donna Elvira als kompromisslos Liebende an, die über ihre Standes- und Moralbedenken steigt, um den Filou denn doch noch einzufangen, und sei es als Rettung vor dem selbstverschuldeten Untergang.

Masetto Joshua Bloom und Commendatore Stefan Kocán stehen in dieser Geschichte etwas am Rande, obwohl zu sagen ist, dass ihre gesanglichen Leistungen der Höhe des Niveaus in diesem Ensemble durchaus ebenbürtig sind.

In Vertretung des inzwischen schwer kranken James Levine dirigiert Fabio Luisi einen zum Glück nicht schmissigen Mozart, mit etwas zu getragener Ouvertüre, doch insgesamt von erlesener Qualität: die Abstimmung auf die Sänger gelingt perfekt, auch die Unterstützung der Rezitative, die der Dirigent selbst am Cembalo spielt, ist flexibel angelegt und erlaubt den Darstellern kleine, feine Improvisationen.

Weniger bemerkenswert ist die Inszenierung von Michael Grandage: das Ganze ist sehr klassisch, aber dankenswerterweise nicht staubig. Immerhin vermag sich der verzopfte Humor von Da Ponte und Mozart hier Bahn zu brechen, sehr zum allgemeinen Vergnügen. Man kann rein gar nichts gegen diese Aufführung sagen, wenn auch nicht viel für sie.

Bühne und Ausstattung von Christopher Oram passen dazu, wenn auch nicht ganz klar ist, warum sich hinter der dominierenden Häuserzeile mal der Ballsaal im Hause Giovanni, mal andere Häuser und im zweiten Akt gar der Friedhof verbergen. Der große Vorteil dieses Aufbaus ist es aber zweifellos, dass nicht umgebaut werden muss.

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