Es gibt keine bessere philosophische Darstellung

Griechische Philosophen gibt es recht viele, tot sind sind sie allesamt auch. Was allerdings Panajotis Kondylis von ihnen unterscheidet, ist das Jahrhundert, in dem er dachte und lebte: geboren 1943, verstarb er schon 1998.

Sein erster großer Beitrag zur Philosophie war die 1981 erschienene Monografie Die Aufklärung im Rahmen des neuzeitlichen Rationalismus, in der die etwas angestaubte akademische Version der Aufklärung einer Revision unterzogen wird:

Kondylis sieht die Aufklärung stark geprägt von polemischen Charakter, den sie gegen die herrschenden Autoritäten auf vielerlei Gebieten einnahm. Viele der aufklärerischen Texte sind starke Polemiken gegen herrschende Meinungen, die in den Augen der Autoren einer Überprüfung durch die Wissenschaft und das logische Denken nicht standzuhalten vermögen.

Ihre Gegner sind nicht nur vordergründig die übermächtige, sich in Dinge, von denen sie nichts versteht, einmischende Theologie, sondern auch jene philosophischen Positionen, die sich seit Beginn der Neuzeit bildeten, aber durchaus noch die Existenz Gottes mitdachten. Allen voran finden die Aufklärer im System des cartesischen Dualismus einen bekämpfenswerten Gegner, denn zunächst sind es innerphilosophische Debatten, die erst mittelbar die Kirche betreffen, indem sie deren verquere Logik ihrer Grundlagen berauben und vor allem das Heil in einem strengen Materialismus suchen.

Kondylis’ Buch bietet gegenüber vielen Darstellungen der Epoche den Vorteil, nicht nur materialreich zu sein, sondern vor allem den radikalen Aufklärern um d’Holbach und Diderot gebührend Raum zu gewähren – und drückt sich nicht um den von Hume bis La Mettrie in unterschiedlicher Dichte vorhandenen Nihilismus. Es ist gerade aus Sicht der gegenwärtigen Debatten um die Kognitionswissenschaften und die Hirnforschung geradezu erstaunlich, wie nahe manches aus dem Jahrhundert nach 1750 bereits der heutigen Diskussion gekommen wäre.

Es gibt sicher keine bessere philosophische Darstellung der Aufklärung.

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