Zauberflöte auf Disney


Die MET hebt in dieser Saison endlich wieder mal Mozarts Zauberflöte ins Programm ihrer Live in HD Serie. Aber was kommt dabei heraus, wenn man Mozarts wohl beliebteste Oper einer Regisseurin anvertraut, die sich bereits sehr erfolgreich am König der Löwen versucht hat? Julie Taymor hat viel Lob für das Broadway-Produktion des Disney-Musicals erhalten. Dummerweise scheint sie das Konzept aber gleich auch auf die Zauberflöte übertragen zu haben. Das ist stellenweise possierlich, kommt aber leider fast immer irgendwie wie aus dem Kinderbuch daher – und drängt damit eine Oper, die Mozart und Schikaneder als Botschaft aus der Gedankenwelt der Freimaurer entworfen haben, ins Kinderprogramm.

Die Bühnenbilder von George Tsypin passen dazu, und auch die Puppen, die von der Regisseurin und Michael Curry gestaltet wurden, machen die Sache aber auch nicht besser. Hier entrollt sich eine Verkürzung und Verballhornung einer der wenigen Opern, die auch eine Botschaft haben.

Dazu passt, dass der Kärntner Bariton Markus Werba seinen gewohnten Papageno abhaspelt. Der ist zwar die komische Rolle im Stück, muss aber trotzdem nicht holzschnittartig verblödelt werden. Singen kann Werba das alles natürlich tadellos, aber es ist halt eher wie Josef Meinrad, der bei Nestroy in erster Linie sich selber spielt.

    Doch nun zu den Highlights der Aufführung:

  • Kathryn Lewek singt ihre Signaturrolle der Königin der Nacht in absoluter Perfektion, man hört diese Koloraturen selten so klar und voll ausgesungen
  • die junge Süafrikanerin Golda Schultz brilliert als Pamina mit Liebreiz und tiefen Ausdruck
  • der amerikanische Tenor Charles_Castronovo wandelt treffsicher durch die wirre Rolle des Pamino
  • René Pape hat zwar auch schon sehr viele Verkörperungen des Sarastro auf dem Buckel, wirkt aber keineswegs in der Rolle erstarrt – und das bei einer recht statischen Handlungsanweisung

Dirigiert wird die Aufführung von James Levine, dem es erfreulicherweise offenbar wieder besser geht. Gerade sein ernsthaftes Dirigat steht in fühlbarem Gegensatz zur Kasperliade auf der Bühne. Musikalisch ein gelungener Abend!

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