Die Verkürzung Dostojewskijs


Dostojewskij hat mit Vorliebe ziemlich dicke Bücher geschrieben. Und das nicht nur, weil er vielleicht ein genialer Schwafler war. Das stellenweise auch, aber seine Geschichten und vor allem seine Anliegen brauchen die epische Breite. Insofern ist es natürlich eine nicht eben geringe Aufgabe, daraus einen Plot zu destillieren, den man in ein Libretto gießen kann. Hier gelten ganz andere Gesichtspunkte: bloß nicht zu viele Gedanken, bloß nicht zu viel Entwicklung. Dem vermag der Komponist nicht zu folgen.

Dieser, im Falle des Romans Der Spieler, ist kein Geringerer als Sergej Prokofiew. Ursprünglich geschrieben zwischen 1915 und 1917 fiel die Uraufführung zuerst einmal der Revolution zum Opfer. Ganz los geworden ist diese Oper ihre Entstehungszeit aber nie. In des Komponisten erster, der russischen Phase, dominiert noch die Loslösung von der Spätromantik. Die Überarbeitung Ende der Zwanziger Jahre hat vermutlich dem letzten beiden Akte deutlich modernisiert. Entsprechend zweigeteilt präsentiert sich die Partitur. In den ersten beiden Akten dominieren lange Linien, das Drama entwickelt sich in nahezu langweiliger Breite. Erst der Übergang in die Zuspitzung mit dem dritten Akt bringt den expressiven Prokofiew zum Klingen. Die Steigerung von Tempo und Modernität sind erfrischend.

Mit der Australierin Simone Young darf an der Wiener Staatsoper auch wieder mal eine Frau dirigieren. Und sie arbeitet die Klangwelt Prokofiews detailreich heraus, treibt besonders im letzten Akt das Tempo zielsicher voran.

Von der sehr langen Sängerliste sind vor allem Dmitry Ulyanow als General, Misha Didyk als Aleksej und die grandiose Polina der Elena Guseva hervorzuheben.

Bei der Inszenierung hingegen happert es erheblich. Das Setting in ein Ringelspiel zu verlegen, mit planlos kreuzenden oder wie abgestochen daliegenden Hutschpferden, erschließt sich nicht einmal nach Lektüre im Programm. Natürlich ist so ziemlich alles im Leben ein Ringelspiel. Und die Bemühungen, sich dem Zwang zu spielen zu entziehen und ihm dennoch immer wieder zu erliegen, ähneln dem ganz speziell. Auch das Gesellschaftliche ist ein Karussell, das wissen wir. Seine Schwächen offenbart das Konzept darum im letzten Akt. Ein großer Teil des Ensembles torkelt auf der Drehbühne herum. Gut: das könnte alles viel schlimmer sein. Was Regisseurin Karoline Gruber und Bühnenbildner Roy Spahn da beinahe versieben, rettet zum Glück die Dirigentin.

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