Vom Individuum zum Gemeinschaftswesen

Das Serapions Ensemble bringt in seinen Produktionen jene Mischung aus Theater, Tanz und Performance zu Stande, die ganz einfach Spass macht. Letztes Jahr begeisterte mich die Produktion School of Night, heute das neueste Werk von Ulrike Kaufmann und Erwin Piplits: Voilà.

Es ist modernes Tanztheater ohne Ballettallüren. Über einer wie immer breit gefächerten Auswahl an Musikstücken – diesmal unter anderen ethnisch gefärbte Musiken aus Persien und vom Balkan sowie Brian Eno und John Lennon – entspinnt sich ein Märchen: der Vogelkönig Simurg hat im Vorbeiflug eine Feder verloren, so geht das Gerücht, und alle machen sich auf, diese Feder zu suchen. Es ist ein Stück über Wege, den Weg, den ein schaffender Mensch gehen muss, und wie mehrere Menschen Gemeinsames zu Wege bringen.

Das Bühnenkonzept sieht diesmal als Höhepunkt einen dichten Wald aus Bambusstangen vor, zwischen denen die Tänzer sich behende bewegen. Zunächst sinken die Stäbe geordnet herab und stehen aufrecht, alsbald aber fallen sie wie beim Mikadospiel durcheinander in ein unentrinnbares Gewirr. Das bizarre Gehölz hat etwas atemberaubend Schönes.

Unter der Leitung von Kaufmann und Piplits tanzen: Lina Maria Venegas Baracaldo, Carlos Delgado Betancourt, In Choi, Julio Cesar Manfugas Foster, José Antonio Rey Garcia, Mercedes Miriam Vargas Iribar, Miriam Mercedes Vargas Iribar, Ulrike Kaufmann, Mario Mattiazzo, Sandra Rato da Trindade und Ariel Uziga.

Im Grunde sind zwei Dinge an diesem Serapions Ensemble vollkommen unverständlich: dass im Odeon immer wieder schlichtweg wunderbare Projekte zustande kommen – und dass trotz der Verweigerung städtischer Förderungen für das Ensemble immer wieder so wunderbare Projekte zustande kommen. Hingehen, angucken – noch bis 9. Juli – und tatkräftig fördern!

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